Liebe Christinnen und Christen im SSB Hofer Land und darüber hinaus,
liebe Freunde und Bekannte,
liebe E-Gemeinde,
heute ein Lied aus dem „Bamberger Anhang“ des Gotteslobes zu Beginn (GL 838).
Beten bedeutet „vor Gott bringen“.
All das, was mich beschäftigt kann und darf ich Ihm hinhalten:
Meine Freude und meinen Dank, meine Ängste und meine Traurigkeit.
Im Gebet soll ich „mich vor Gott bringen“ und mich in seine Gegenwart stellen,
ja, mich Ihm stellen und seinen Wirkmöglichkeiten in meinem Leben vertrauen.
Er wird mich selbst und durch andere Menschen aufrichten – gerecht und barmherzig.
Von dieser Hoffnung und von diesem Gottvertrauen singt das „You raise me up“.
… und hier in einer Version auf Deutsch.
Dir/Ihnen/Euch eine gute, gesegnete und „durchbetete” Woche!
Stellen wir uns in die Gegenwart Gottes – genau das heißt ja Beten.
Herzlichst
Dr. Dieter G. Jung
Stellvertreter des
Leitenden Pfarrers
Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land
zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau
Predigt 29. Sonntag im Jahreskreis; LJ C (2022 Reh, MÜB; SB)
2 Tim 3,14-4,2 + Lk 18,1-8
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Menschen auf der Suche: Wonach suchen Sie denn? Menschen auf der Suche: auf der Suche nach dem verlegten Schlüssel – auf der Suche nach Glück – auf der Suche nach Lebenssinn – auf der Suche mit der Suchmaschine im Internet nach dem perfekten Partner oder das perfekte Styling. Jesus Christus sucht etwas ganz anderes: „Wird […] der Menschensohn, wenn er [wieder]kommt, den Glauben auf der Erde finden?“ (Lk 18,8), fragt Jesus im heutigen Evangelium. Jesus sucht den Glauben auf der Erde. Würde Er „den Glauben“ bei uns finden, bei Dir und mir, wenn Er heute kommen würde? Oder könnte er lange suchen, ohne etwas zu finden?
Wir leben in einer Zeit der Herausforderung. Unser Glaube ist angefragt – auch von Freunden und Bekannten: „Daran glaubst Du noch? Ich habe mit dem Glauben und der Kirche längst abgeschlossen. Als Kind konnte ich das noch…“ Worte, die ich immer wieder höre. Ich stelle dann gerne die Frage: „Was war damals denn anders? Wieso war es einfacher zu glauben?“ Die Erinnerung an die Vergangenheit, an den Anfang der eigenen Glaubenserfahrung und die eigenen positiven wie auch negativen Ereignisse kann helfen, dem eigenen Glauben auf die Spur zu kommen. Vielleicht wurde ich von den Eltern oder anderen in den Glauben eingeführt. Vielleicht erinnere ich mich an das Vorlesen aus der Kinderbibel, an das Abendgebet und den Segen am Kinderbett. Eine solche Rückschau kann Ermutigung sein, sich an die Faszination des Anfangs zu erinnern. Warum mache ich das heute vielleicht nicht mehr: in der Bibel lesen oder abends beten und für den zurückliegenden Tag danken? Als Kind hat mir das doch gefallen und gut getan…
Oft gehörte Antwort: „Irgendwie habe ich meinen Glauben verloren. Es war ein schleichender Prozess: das Gebet vor dem Mittagessen – naja, daheim mache ich das schon noch, aber nicht im Gasthaus vor anderen Leuten… Warum daheim beten? Bringt mir nichts! Lass ich weg – sieht ja keiner! … Derzeit überlege ich, was mich in der Glaubensgemeinschaft noch hält.“
Paulus gibt angesichts eines herausgeforderten Glaubens – sei es durch Angriffe von außen, oder innerer Abkehr – folgenden Rat: „Bleibe bei dem, was du gelernt […] hast“ (2 Tim 3,14). Nicht aufgeben, sondern standhalten - dazu ermutigt Paulus seinen Schüler Timotheus und uns. Paulus fordert uns auf: Nicht stillschweigend aushalten und sich heraushalten oder herausstehlen, sondern in Glaubensdingen selbst aktiv werden. Also: „Auftreten satt austreten“, um es mit einem Buchtitel von Rainer Maria Schießler zu sagen.
Glaube ist Beziehung – sie braucht Pflege und Zeit für die Ausrichtung auf Jesus Christus (vgl. 2 Tim 3,15). Wie eine Pflanze ohne Wasser allmählich verdorrt, trocknet unser Glaube ohne Gebet ein. Notwendig ist daher beharrliches Gebet und die immer wieder neu belebte Christusbeziehung – ebenso das sich Vertraut Machen und Vertraut Werden mit der Heiligen Schrift, dem Wort des lebendigen Gottes. Die Heilige Schrift ist der Grundnährstoff und das „Rüstzeug“ für ein Leben aus dem Glauben: genährt durch das verinnerlichte Wort Gottes und dadurch auch äußerlich „ausgerüstet zu jedem guten Werk“ (2 Tim 3,17). Gottes Wort ist „nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in Gerechtigkeit“ (2 Tim 3,16). Das Wort Gottes, die Pflege des Glaubens und der Beziehung zu Jesus Christus bewirken etwas: Der Hörer und Schüler des Wortes Gottes wird zu dessen Verkünder und Lehrer. Paulus ermutigt seinen Schüler Timotheus und auch uns dazu: „Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne in aller Geduld und Belehrung“ (2 Tim 4,2).
Dieses Dranbleiben und die Beharrlichkeit im Glauben führen zum Ziel. Heutzutage geben viele Menschen vorschnell auf, weil das anstrengend ist, weil es Kraft und Zeit kostet. Sie wollen schnelle Erfolge für sich sehen, oder einen Deal zu ihren Gunsten machen. Wie der ungerechte Richter im Evangelium (Lk 18,1-8), der immer nur an seinen Nutzen und Vorteil denkt, dem aber gute und gerechte Beziehungen zu den Menschen egal ist. Beim Gebet ist das ähnlich: Viele geben vorschnell auf, weil es nicht so läuft, wie sie es sich wünschen. Gebete sind aber keine „Wünsche“, die Gott gleich einer guten Fee erfüllt, sondern Gebet ist ein Hoffen auf Gott, auf den wiederkommenden Christus. Gebet ist also kein Kreisen um mich und meine Probleme, kein Herunterbeten von Worten, sondern ein Rechnen mit Gottes Existenz, seinem Wirken und seiner Wiederkunft. Wenn Jesus zum ständigen Gebet aufruft, fordert er die Jünger und uns auf, uns in die Gegenwart Gottes zu stellen und uns auf Ihn hin auszurichten: Gott vertrauen und Gottvertrauen – darum geht es. Stoßgebete, die wie eine SMS an Gott geschickt werden, helfen dabei. Hier einige Beispiele: „Gott, danke, dass du da bist!“, „Jesus, ich vertraue auf dich!“ „Komm, Heiliger Geist!“ Kurze Gebete, die im Alltag helfen, sich in die Gegenwart Gottes zu stellen
Gott (be)sucht uns: „Wird […] der Menschensohn, wenn er kommt, […] Glauben auf der Erde finden?“ (Lk 18,8). Ja, wenn wir beten, wenn wir Gott suchen und wenn wir uns auf den entgegenkommenden Herrn ausrichten. Denn dann wächst unser Glaube und unser Gottvertrauen. Amen.





