Liebe Christinnen und Christen im SSB Hofer Land und darüber hinaus,
liebe Freunde und Bekannte,
liebe E-Gemeinde,
heute haben wir Kirchweih gefeiert:
- nicht die Kirchweihe der Kirche vor Ort in der eigenen Pfarrgemeinde
- nicht die Kirchweihe der Kirche der Ortskirche, der Bischofskirche, also des Domes unseres Erzbistums
- sondern die Kirchweihe der Kirche der Weltkirche, der Kirche des Papstes, des Bischofs von Rom…
… und das ist nicht etwas der Petersdom, sondern die Lateranbasilika;
bis ins 14. Jahrhundert war die Lateranbasilika der Sitz der Päpste, bevor diese in den Vatikan zogen.
An der Fassade der Lateranbasilika ist die lateinische Inschrift zu lesen: „Mater et caput omnium ecclesiarum“ –
sie bedeutet: „Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt und des Erdkreises“
„Wir gedenken dieses Ereignisses bis heute: Warum? Gewiss, um mit Freude und Dankbarkeit an ein für das Leben der Kirche sehr wichtiges historisches Ereignis zu erinnern, aber nicht nur. Diese Basilika, die „Mutter aller Kirchen”, ist nämlich viel mehr als ein Denkmal und eine geschichtliche Erinnerung: Sie ist »Zeichen der lebendigen Kirche, erbaut mit ausgewählten und kostbaren Steinen in Christus Jesus, dem Eckstein (vgl. 1 Petr 2,4-5)«, und als solche erinnert sie uns daran, dass auch wir »in diesen Bau […] schon auf Erden als lebendige Steine eingefügt [werden] (vgl. 1 Petr 2,5)« (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 6).“
so Papst Leo XIV., der heute in der Kathedrale des Bistums Roms, in seiner Bischofskirche, einen Gottesdienst gefeiert hat.
Dazu ein Orgelinstrumental zu „Gott baut ein Haus, das lebt“ (GL-Bamberger Anhang 868.
Ja, wir sind (Teil dieser) Kirche, mit all den schönen Seiten und all ihren Fehlern und Schwächen.
Dazu und zu Lesung und Evangelium des heutigen Festtages habe ich meine Gedanken in einem Predigt-Impuls zusammengefasst (vgl. Anhang).
In Rehau haben Kinder und Jugendliche zusammen mit mir in einer Dialogpredigt die Schrifttexte für den Familiengottesdienst mit Vorstellung der Erstkommunionkinder erschlossen: „Die Geldmacherei rund um den Tempel lenkt vom Gebet ab und stört den Gottesdienst. … Jesus, der Sohn Gottes, ist wichtig als Grund unseres Glaubens und als Zentrum der Kirche. … Gott braucht keine Opfertiere. Gottes Liebe gibt’s für uns geschenkt.“
Mit und durch Jesus Christus sind wir Kirche – ein starke Gemeinschaft.
Dir/Ihnen/Euch eine gute und gelingende Woche glaubhaften Lebens und lebhaften Glaubens!
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dieter G. Jung
Stellvertreter des
Leitenden Pfarrers
Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land
zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau
derzeit administrativ auch zuständig für Hof – Helmbrechts – Münchberg – Sparneck
Richard-Wagner-Straße 2
95126 Schwarzenbach a. d. Saale
Achtung! Neue Rufnummer: 09281 / 84056-35
weiterhin gültig: Tel.: 09284 / 327 Fax: 09284 / 4663
E-Mail: dieter-georg.jung@erzbistum-
Predigt Weihetag der Lateranbasilika; LJ C (2025 SB; Helm)
1 Kor 3,9c-11.16-17 + Joh 2,13-22
Grüß dich, altes Haus!
Manche Leute begrüßen sich so, wenn sie sich lange nicht mehr gesehen haben. Grüß dich, altes Haus! Haus steht dabei für die Person, mit der man(n) und frau eine lange Freundschaft verbindet oder gemeinsame Wegabschnitte. Grüß dich, altes Haus! Schön, dass wir uns wiedersehn!
Grüß dich, altes Haus! So könnten Menschen auch die Kirche als Gotteshaus begrüßen – ein Haus, das sie vielleicht lange nicht mehr betreten haben und nun neugierig mal wieder hineinschauen, was da wohl los ist.
Am heutigen Weihetag der Lateranbasilika kommt beides zusammen, die Kirche als altes Haus und die Menschen, die diese Kirche bilden: „Ihr seid Gottes Bau“ (1 Kor 3,9), sagte Paulus den Christen in der Gemeinde in Korinth damals – „Ihr seid Gottes Bau“ sagt Paulus uns heute zu, uns der Gemeinde von Schwarzenbach/Helmbrechts. Unser Fundament als Gemeinde und die Grundlage unseres Glaubens ist Jesus Christus – „einen anderen Grund kann niemand legen“ (1 Kor 3,11), sonst wird es wacklig und unser Glaube und unsere Gemeinde fällt wie ein Kartenhaus zusammen. Auf diesem Grund bauten und bauen viele weiter: die Generationen vor uns, Oma und Opa, unsere Eltern vielleicht auch, Religionslehrerinnen und Pfarrer. Paulus sagt, dass wir – auf diesem Fundament – eine Art Haus sind, Wohnstatt und Tempel Gottes, weil Gottes Geist in uns wohnt. Jede und jeder von uns ist durch diesen Heiligen Geist, der uns in Taufe und Firmung geschenkt ist, etwas Besonderes, Wertvolles Einzigartiges, Heiliges. Damit ist jedem Christen eine besondere Würde geschenkt: Wir sind Tempel des Heiligen Geistes.[1] Er ist in uns, belebt uns innerlich und will durch uns wirken – geistvoll und begeisternd. Gott ist so auf wunderbare Weise untrennbar mit uns verbunden. „Wer den Tempel Gottes zerstört, wird Gott zerstören.“ (1 Kor 3,17) – die Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben, ist immer auch eine Ehrfurcht vor Gott. Wo diese Ehrfurcht fehlt, geht menschliches Leben und auch Gott vor die Hunde. Wenn wir das Leben mit vielerlei Dingen und Aktionen füllen, ist es zwar voll – voll von Terminen, Beziehungen und To-dos. Die entscheidende Beziehung wird oft vergessen und nicht gepflegt – alles andere scheint wichtiger zu sein. Vielen fehlt heute scheinbar nichts, wenn Gott fehlt – aber dann ist „unser Tempel“ leer und inhaltslos, weil die wesentliche Füllung fehlt: Er, der „Leben in Fülle“ (Joh 10,10) verheißt, und der im christlichen Sinn unser Leben wirklich lebendig, ja lebenswert macht. Ist dieses „Fehlen Gottes“ und das „fehlende Gottvertrauen“ vielleicht die Ursache von mancher Hoffnungslosigkeit und Lethargie unserer Tage?
Grüß dich, altes Haus! Lange nicht gesehen. Jesus kommt bei einer Wallfahrt nach Jerusalem in den Tempel, das Gotteshaus gläubiger Juden. Jesus erschrickt über das, was sich im Tempel abspielt: kein Ort der Stille, kein Ort, wo man im Gebet Beziehung zu Gott aufnehmen kann – stattdessen Geschrei und Geschäftigkeit. Alles scheint wichtiger zu sein als Gott: Den Händlern fehlt Gott nicht. Sie machen Geschäfte mit ihm. Sie verkaufen Opfertiere und wechseln Geld in Opfermünzen. Die Pilger nehmen dieses Geschäft in Kauf und erwerben diese Dinge, um Gott gnädig zu stimmen … auch eine Art Geschäft oder Deal: Ich gebe Gott (m)ein Opfer, und bekomme dafür von ihm, was ich will oder erbete – ein sehr egoistisches Geschäft. Als ob Gott Opfer(gaben) von mir bräuchte! Gottes Liebe und Barmherzigkeit gibt es nicht zu kaufen, die bekomme ich von ihm geschenkt, gratis, umsonst!
Jesus räumt auf mit den Geschäftemachern seiner Zeit und mit falschen Vorstellungen der Gläubigen. Jesus treibt die Opfertiere und Händler aus dem Tempel hinaus. Die Tische der Geldwechsler stößt er um. Vielen stößt das sauer auf. Sie fordern von diesem „Dahergelaufenen“ ein Zeichen, dass er das tun darf. Jesus verweist – kryptisch – auf ein Zeichen, den „Wiederaufbau des Tempels“ in drei Tagen. Jesus deutet so die Auferweckung von den Toten und die „Auferbauung“ seines Leibes an. Kirche ist eben mehr als das Haus aus toten Steinen – Kirche ist ein Haus als lebendigen Steinen, ist Leib Christi und der sind wir als einzelne und als Gemeinschaft.
Grüß dich, altes Haus! Zeit mal wieder auszufegen, was nicht hineingehört. Das gilt für die Kirche als Institution, für die Pfarrgemeinde vor Ort und für jeden einzelnen Menschen. Grüß dich, altes Haus! Schön, dass es dich gibt. Du bist mir wichtig und wertvoll, weil Gott in dir wohnt. Amen.







