Liebe Christinnen und Christen im SSB Hofer Land und darüber hinaus,
liebe Freunde und Bekannte,
liebe E-Gemeinde,
anlässlich des 150. Geburtstages des Berliner Domprobstes, des sel. Bernhard Lichtenberg, des Patrons der Hofer Stadtpfarrei, war Erzbischof Dr. Heiner Koch aus Berlin in Hof, dem Sterbeort Lichtenbergs, und in der Hofer Pfarrei Bernhard Lichtenberg zu Gast.
Ich durfte ihn stellvertretend für die Pfarrgemeinde und den erkrankten Leitenden Pfarrer Stefan Fleischmann begrüßen.
In einem feierlichen Pontifikalgottesdienst würdigte Erzbischof Koch das glaubhafte Leben und das Glaubenszeugnis Lichtenbergs, der sich, sein Leben und Christsein in Dankbarkeit Gott gegenüber annahm, Verantwortung wahrnahm, mutig in der Zeit des Nationalsozialismus lebte und sein Wirken für Christus und für die Menschen sowie seine Verhaftung, Deportation und sein Sterben im „Horizont der Ewigkeit“ sah.
Lichtenberg lebte in Wort und Tat ein klares Bekenntnis zur gottgegebenen Würde aller Menschen und für jedes menschliche Leben von seiner Zeugung bis zu seinem natürlichem Ende, das in unseren Tagen nötiger ist denn je, wie es auch im Tagesgebet zu Ehren des Seligen zum Ausdruck kommt:
Gott und Vater aller Menschen,
in Treue zu Dir widerstand der selige Bernhard Lichtenberg ungerechter Gewalt.
In den Tod getrieben hat er als Märtyrer bereitwillig sein Leben eingesetzt für die Würde des Menschen.
Lass auch uns stets nach Deinem Willen fragen und dem Anruf unseres Gewissens folgen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
Foto: © Dr. Nicola Leroy, SSB Hofer Land
Da ich vergangenen Sonntag im Familiengottesdienst mit der Kita in Münchberg frei gepredigt habe, war ich quasi „predigtfrei“ – und es gibt somit auch kein Manuskript zum Nachlesen und Nachdenken.
Als Impuls zum zweiten Advent lege ich daher meine Predigtgedanken aus dem Jahr 2019 als PDF bei:
Hoffnung aus dem Glauben inmitten der Zumutungen und „Abschnitte“ des Lebens.
Dir/Ihnen/Euch allen einen guten Weg durch den Advent,
einen Weg, auf dem immer klarer werden möge, worauf und auf wen es ankommt,
einen Weg, auf dem immer klarer werden möge, was und wer wichtig ist in meinem Leben aus dem Glauben,
einen Weg, auf dem ER mir entgegenkommt und schlussendlich bei mir ankommen will, wenn ich mich für IHN und seine Botschaft öffne, wenn ich in seiner Nachfolge – wie der sel. Bernhard Lichtenberg – konsequent meinen Glauben lebe und so dem Evangelium ein Gesicht gebe: mein Gesicht.
Dazu ein adventlicher Lied-LINK (Gotteslob-Nr. 233).
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dieter G. Jung
Stellvertreter des Leitenden Pfarrers
Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land
zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau
derzeit administrativ auch zuständig für Hof – Helmbrechts – Münchberg – Sparneck
Predigt 2. Adventsonntag LJ A (2019 SB, OK)
Jes 11,1-10 + Mt 3,1-12 (+ggf. Barbarazweig!)
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Die Advents- und Weihnachtszeit gilt vielen als die schönste Zeit im Jahr – alles soll perfekt sein. Was nicht passt, wird passend gemacht – wir kennen das auch beim Weihnachtsbaum: Da wird gesägt, bis er die perfekte Länge hat. Auch bei biblischen Texten schneiden wir gern Unpassendes ab, bis sie uns „passen“ – so auch bei der heutigen Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja: „aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzelnbringt Frucht.“ (Jes 11,1) Ich verband damit eine zarte Wurzel, aus der eine Rosenknospe wächst – ein liebliches Bild, das ich in der 5. Klasse im Kunstunterricht gestaltete und das stark vom Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen, aus einer Wurzel zart“ geprägt war. In der Deutung dieser alttestamentlichen Stelle vom Neuen Testament her, ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, das aufblühende Leben, der in der Jungfrau Maria seine menschlichen Wurzeln hat: „Maria ist’s die Reine, die uns das Blümlein bracht.“
Damals in der 5. Klasse ließ ich die zur „Wurzel“ gehörigen Verse links liegen – und ich bin sicher, Sie kennen diese Verse auch nicht, denn sie sind in der heutigen Leseordnung einfach weggeschnitten. Was nicht ins theologische Konzept passte, wurde passend gemacht. Aber ich will Ihnen diese Abschnitte nicht vorenthalten, wie es zur „abgehackten Wurzel“ kam:
„Siehe, Gott, der Herr der Heerscharen, schlägt mit schrecklicher Gewalt die Zweige ab. Die Hochgewachsenen werden gefällt und die Emporragenden sinken nieder. Er rodet das Dickicht des Waldes mit dem Eisen und der Libanon fällt durch einen Mächtigen. Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht“ (Jes 10,33-11,1). Ein grausames Gottesbild: Gott, der mit Gewalt dreinschlägt und Leben scheinbar zerstört. Als Theologe kenne ich heute den religionsgeschichtlichen Hintergrund und die Verarbeitung des traumatischen Einschnitts, der durch das grausame Exil entstanden ist. Trotz der gefühlten und erlebten Entwurzelung, abgeschnitten von Heimaterde und Familie keimt zarte Hoffnung auf und wächst zum neuen Lebenstrieb.
Auch Johannes der Täufer verwendete im Evangelium in seiner mahnenden Rede vom Gericht Gottes dieses einschneidende Bild: „Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen“ (Mt 3,10).
Für mich sind die Axt an der Wurzel und die abgehackte Wurzel grausame Zumutungen. Bilder, die meinen ganzen Mut erfordern, genauer hinzusehen, denn im Leben gibt es viele Einschnitte und Lebens-Abschnitte: Trennung – Tod eines Angehörigen – Verlust des Arbeitsplatzes oder fehlende Ausbildungsstelle. Oft bleibt nur ein abgehackter Stumpf übrig,abgehacktes Leben. Das Hoffnungsbild des Propheten Jesaja vom „jungen Trieb aus dem Baumstumpf“ ist gerade in derartigen Lebens-Ab-schnitten eine Zumutung – es wird oft belächelt oder als realitätsfremd abgetan. Aber der Prophet wird nicht müde, seine Vision von einer besseren, gerechteren und friedlicheren Welt zu verkünden. Es ist eine gottgewirkte Wirklichkeit einer Welt, in der alle – selbst Feinde – gut miteinander auskommen und in der alle gut leben können. Es ist eine für Gott mögliche Wirklichkeit, bei der auch der Mensch mitwirken soll, indem er die nötigen Voraussetzungen schafft, dass zugefügte Verletzungen langsam heilen können und neue Hoffnung auf Leben aufkeimen kann.
Dabei lohnt es sich, wenn ich mich auf meine Wurzeln besinne:
Wo habe ich meine Wurzeln? Wo bin ich verwurzelt?
Was gibt meinem Leben (noch) Halt und Sicherheit?
Und es ist wichtig, dass ich auch die Neuaufbrüche in meinem Leben in den Blick nehme: Wo beginnt für mich mitten im Leid etwas Neues? Wofür lohnt es sich für mich zu leben? Was sind meine Lebensziele?
Für mich ist nicht der perfekte Weihnachtsbaum, sondern die abgehackte, scheinbar leblose Wurzel ein tröstliches Bild adventlicher Hoffnung: neues Leben aus Gottes Kraft. Aus der Wurzel eines abgesägten Baumes kann (mit Gottes Hilfe) ein neuer Trieb wachsen. Ein übrig gelassener Ast kann aus der Wurzel Kraft schöpfen, sich aufrichten und zum Baum heranwachsen. Advent ist für mich die Einladung zum Blickwechsel: Nicht nur auf menschliche Verletzungen und zugefügte Wunden zu blicken, sondern auch auf das, was Halt gibt und unerwartet neu wächst, wo sich durch Gottes Zumutung und Gottes Kraft neues Leben regt. Amen.





