Liebe Christinnen und Christen im SSB Hofer Land und darüber hinaus,
liebe Freunde und Bekannte,
liebe E-Gemeinde,
„Gaudete! – Freut Euch!“ mit diesem Freuden- und Jubelruf war der vergangene 3. Adventsonntag überschrieben –
ein Ruf, der auch in den Liedern anklang (z.B. GL Bamberger Anhang 760).
Wir brauchen diese Freude und frohmachende Bilder – Hoffnungsbilder und Lichtblicke für unser Leben und für unsere Seele.
Der Advent mit dem „langsam wachsenden Licht“ durch die Kerzen am Adventskranz und die Vorfreude auf Weihnachten,
die Rorate-Gottesdienste bei Kerzenschein, die Freude und Ruhe im Herzen sowie die biblischen Lesungen
können Dunkelheit im Leben vertreiben, die Ängste kleiner machen und Hoffnung wachsen lassen.
Die Sonntagslesung aus dem Buch Jesaja (Jes 35,1-6b.10) ist ein solcher Hoffnungstext:
Jubeln werden die Wüste und das trockene Land, jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie.
Sie wird prächtig blühen und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken.
Die Herrlichkeit des Libanon wurde ihr gegeben, die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon.
Sie werden die Herrlichkeit des Herrn sehen, die Pracht unseres Gottes.
Stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie!
Sagt den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott! […] Er selbst kommt und wird euch retten.
Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben werden geöffnet.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch und die Zunge des Stummen frohlockt.
Die vom Herrn Befreiten kehren zurück und kommen zum Zion mit Frohlocken.
Ewige Freude ist auf ihren Häuptern, Jubel und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzen entfliehen.
Anbei ein Adventslied, das diese Bilder aufgreift (GL 221): Kündet allen in der Not
Hier ein Lied-LINK zum Anhören und Mitsingen: https://www.youtube.com/watch?v=tJ6DFN_KywI
Hoffnungsvolle Bilder vom „Aufblühen“, die auch Politiker gerne aufgreifen bzw. bewusst aufgriffen:
Blühende Landschaften ist ein 1990 vom damaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl geprägtes Schlagwort, das eine ökonomische Zukunftsperspektive für die neuen Bundesländer beschreibt.
Derzeit ist vom Kraftakt die Rede, um unser Land wieder „flott“ und „prosperierend“ zu bekommen – oder um es mit Jesaja zu sagen: Stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie!
Das ist unsere Aufgabe: Anzupacken und Vertrauen zu haben und zu schenken, so wie es das folgende Lied besingt – hier der LINK.
Dazu der „Impuls zum Aufblühen“ (vgl. PDF-Anhang), den ich in Oberkotzau gehalten haben – in Schwarzenbach/S. war ein Jugend-GD zum Thema „Nur Geduld“ und in Rehau ein Familien-GD zu „Gaudete“.
Dir/Ihnen/Euch eine Woche zum Aufblühen – vielleicht auch mit einem „Wüsten-/Oasen-Tag“
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dieter G. Jung
Stellvertreter des Leitenden Pfarrers
Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land
zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau
derzeit administrativ auch zuständig für Hof – Helmbrechts – Münchberg – Sparneck
Richard-Wagner-Straße 2
95126 Schwarzenbach a. d. Saale
Achtung! Neue Rufnummer: 09281 / 84056-35
weiterhin gültig: Tel.: 09284 / 327 Fax: 09284 / 4663
E-Mail: [email protected]
Predigt 3. Adventssonntag Lesejahr A (2025, OK)
Jes 35,1-6a.10 + Mt 11,2-11
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!
Wüste – was verbinden Sie damit? Wie sieht in Ihrer Vorstellung Wüste aus?
Wüsten sehen ganz unterschiedlich aus:
Wüste – Eis ohne Ende – Eiseskälte – keine Wärme – da wächst nichts.
Wüste – Sand ohne Ende – Hitze – kein Schatten – da wächst fast nichts.
KI-Wüste – Daten ohne Ende – Überhitzung: immer mehr in kürzerer Zeit – keine Entschleunigung – soziale Kälte – da kann ich nicht wachsen.
Die Wüste, ein lebensfeindlicher Ort – ein Ort, an dem es kaum Leben gibt – ein Ort, an dem Überleben schwierig ist. Die beeindruckendste Zeit meines Studiums in Jerusalem waren zehn Tage in der Wüste: alles Überlebensnotwendige, Essen, Kleidung, Schlafsack gegen die nächtliche Kälte alles in einem Rucksack – zehn Tage ohne Fernsehen, ohne Handy und ohne Internet – zehn Tage ohne Dusche – zehn Tage nur Wasser zum Trinken.
Die Wüste, ein lebensfeindlicher Ort – ein Ort, an dem es kaum Leben gibt – ein Ort, an dem Überleben schwierig ist. Und doch leben Menschen dort am Rand der Wüste. Sie lebten dort nicht nur in biblischen Zeiten, sondern auch heute noch – nicht nur für zehn Tage, sondern ihr Leben lang. Kein bequemes Leben in einem Haus, in einem Dorf oder einer kleinen Stadt, das müssen auch die Menschen im heutigen Evangelium einsehen. Johannes ist ein
Mensch aus der Wüste, der jetzt im Gefängnis sitzt. – Warum erfahren wir nicht. Dieser „Wüstensohn“ Johannes hat eine Frage. Er fragt nicht, wie er wieder aus dem Gefängnis freikommt. Er trägt eine andere Frage mit sich herum – eine Frage, die ihm keine Ruhe lässt – eine Frage gewachsenen Zweifels – eine Frage, der er durch seine Jünger Jesus stellen lässt: „Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten“ (Mt 11,3).
Jesus beantwortet die Frage nicht, sondern lädt ein, zu sehen, zu hören und dies Johannes zu berichten: „Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet“ (Mt 11,5). Jesus weist in seiner Antwort nicht nur auf sein Wirken hin, sondern greift Sprachbilder des Propheten Jesaja auf – Bilder, die mit dem Motiv der „blühenden Wüste“ verknüpft sind: „Jubeln werden die Wüste und das trockene Land, jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie. Sie wird prächtig blühen und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken“ (Jes 35,1-2) – sprechende Bilder für Johannes, der die „Sprache“ der Wüste kennt, und weiß, dass dies eigentlich unmöglich ist. Johannes weiß jetzt, dass Jesus der ist, der da kommen soll, der nicht nur „blühende Landschaften“ verspricht, sondern sogar die Wüste und scheinbar verwüstetes Leben zum Blühen bringt. Jesus wirkt hinein in die Wüstenzeit des Johannes. Er schenkt ihm in seiner Gefangenheit Hoffnung – Hoffnung, dass ihm ein Leben in Freiheit blüht. – Für Johannes ist klar, wer dieser Jesus ist.
Aber wer ist Johannes? – diese Frage beschäftigt die Menschen.
Er lebt so ganz anders wie sie: nicht fein gekleidet, sondern „wüst“ – angepasst an die Wüste: Er „trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung“ (Mt 3,4 – vgl. So-Evangelium 2. Advent LJ A). Johannes ist ein starker und unbeugsamer Mensch; keiner, der wie ein Schilfrohr im Wind schwankt (vgl. Mt 11,7) oder sein Fähnchen in den Wind hängt. Johannes ist ein Prophet, der Missstände anklagt und auf bessere, ja „blühende“ Zeiten hofft und diese Hoffnung bei den Menschen wachhält. Johannes ist in seinem wüsten Aussehen selbst ein Hoffnungszeichen: Einer, der diese Hoffnung für sein eigenes Leben erwartet und auf diese Hoffnung zu lebt – einer, der dieser Hoffnung den Weg bereitet und sie in Jesus Christus erfüllt sieht.
Wer bist du? Diese Frage richtet sich nicht nur an Jesus und an Johannes – diese Frage richtet sich auch an mich: Wer bist du? Wer bin ich?
Bin ich ein erwartungsvoller Mensch – habe ich noch Erwartungen?
Bin ich ein hoffnungsvoller Mensch – habe ich noch/wieder Hoffnung?
Oder bin ich ein „verwüsteter“ Mensch, scheinbar leblos und innerlich ausgedorrt, gefangen in mir selbst und vereist in meinen sozialen Kontakten?
Ich gönne mir jetzt im vollgepackten Advent und im Vorweihnachtsstress das Not-wendige: einen Wüstentag – ich nehme mir bewusst eine Auszeit – ich bin dann nicht für andere erreichbar, sondern nur für Gott in der „Wüste“ meines Lebens – ich gönne mir diese Zeit der Stille und des Zu-mir-Kommens. Dann kann ich erfahren: mitten in meinen Fragen und Zweifeln, mitten in meiner Lebenswüste keimt und blüht sie auf – Hoffnung. Amen.





