Liebe Christinnen und Christen im SSB Hofer Land und darüber hinaus,
liebe Freunde und Bekannte,
liebe E-Gemeinde!
Mitten im Alltag, in der „grünen“ Zeit des Jahreskreises: der 25. Januar, das durch den Sonntag verdrängte Fest der Bekehrung des Apostels Paulus, markiert den Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen.
Mitten im Alltag, nicht über das Trennende lamentieren, sondern auf das Verbindende schauen und es leben;
im September 2019 hat Papst Franziskus den Sonntag des Wortes Gottes eingeführt;
in Deutschland wird dieser am letzten Sonntag im Januar, 2026 also am vergangenen Sonntag, dem dritten Sonntag im Jahreskreis gefeiert.
Das Wort Gottes verbindet und stärkt Christen verschiedener Konfessionen weltweit – gelebte Ökumene.
Das Wort Gotts gibt Zeugnis davon, dass sich in Jesus Christus der Heilswille Gottes erschließt.
Das Wort Gottes ermutigt und fordert heraus – jede und jeden einzelnen.
Mitten im Alltag, auf Jesus Christus schauen, sich an ihm ausrichten,
der uns zuruft: „Kehrt um!“ und „Kommt her, (folgt) mir nach!“
Ein hoffnungsvoller Neuanfang – auch für mich?!
Hier noch ein Lied-LINK (GL 477):.
Dir/Ihnen/Euch eine gute und gesegnete Zeit!
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dieter G. Jung
Stellvertreter des Leitenden Pfarrers
Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land
zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau
derzeit administrativ auch zuständig für Hof – Helmbrechts – Münchberg – Sparneck
Richard-Wagner-Straße 2
95126 Schwarzenbach a. d. Saale
Achtung! Neue Rufnummer: 09281 / 84056-35
weiterhin gültig: Tel.: 09284 / 327 Fax: 09284 / 4663
E-Mail: [email protected]
Predigt 3. Sonntag im Jahreskreis LJ A (2026 OK, SB, Reh)
Jes 8,23b-9,3 + Mt 4,12-23 (LF)
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!
Schon wieder Weihnachten?! – Der Text aus dem Buch des Propheten Jesaja klingt zumindest danach; es der Text, der auch in der Heiligen Nacht gelesen wurde bzw. wird. Ein durch und durch adventlich-weihnachtlicher Text: helles Licht für Menschen, die gefühlt oder real im Dunkel leben – Jubel in der stillen Nacht – Frieden auf Erden. Am Ende des Advents und am Beginn von Weihnachten ging dieser Text im Adventsstress und Weihnachtstrubel vielleicht unter – viele haben ihn überhört. Heute ist dieser Text in meinen Alltag hineingesprochen: dorthinein, wo sich mein Leben durch Schicksalsschläge, durch Sorge oder durch Schuld verdunkelt hat – dorthinein, wo die Schattenseiten der Welt, Hunger, Krieg, Klimakrise, mich betreffen und betroffen machen – dorthinein, wo ich lebe, arbeite, wohne und vernetzt bin. Advent, die Ankunft Gottes in der Welt, feiern wir nicht nur an Weihnachten, sondern Advent ereignet sich mitten im Alltag, mitten im Leben, immer wieder neu. Aber: Kommt Gott bei mir an?
Wenn ich so weitermache, wie bisher sicher nicht: wenn Termindruck und Stress mein Leben bestimmen, wenn Sorgen und Krankheiten mir über den Kopf wachsen, wenn der Alltag mit seinem Geflecht aus Erwartungen und Ansprüchen mein Leben einengt, dann geht es mir wie an Weihnachten: Ich überhöre Gottes leise Stimme und übersehe seine Ankunft in meinem Leben… – Aber: Er ist da und will mir begegnen, wenn ich bereit dazu bin.
„Vom Netz gehen“, so sagt man heutzutage, wenn Smartphone und Laptop ausgeschaltet werden und „aus“ bleiben: Dann bin ich nicht mehr permanent „online“, nicht mehr ständig auf Standby-Betrieb und nicht mehr überall und immer mit allen elektronisch und digital vernetzt. Das kostet Überwindung: dass ich mich selbst vom Netz nehme – dass ich loskomme von dem Gefühl immer erreichbar sein zu müssen, um ja nichts zu verpassen – dass ich mir diese Auszeit zugestehe, ja sie mir gönne. Und es kostet noch mehr Überwindung, sich der Frage nach dem „Wozu“ und damit der Frage nach dem „Sinn des Lebens“ zu stellen: Eine kurze Auszeit zwischendurch, nur um kurz aufzutanken und fit zu werden, um dann wieder weiter zu rackern wie vorher, um wieder voll einsteigen zu können, um noch leistungsfähiger zu sein und um mir gestellten Ansprüchen noch mehr zu genügen?
Wenn ich da mal nicht falschen Vorstellungen ins Netz gegangen bin…
Im heutigen Evangelium gehen Simon und Andreas, Jakobus und Johannes im wahrsten Sinne des Wortes „vom Netz“. Die vier Fischer lassen „ihre Netze“ liegen. Die Fischernetze stehen nicht nur für die anstrengende und eintönige Arbeit als Fischer, sondern auch für das geknüpfte Beziehungsnetz in ihren Dörfern, ihre Familien, Freunde und Bekannten, das soziale Netz. Dieses soziale Netz trägt. Wer sich aber im Netz von Lügen und Neid, Missgunst und Streitereien verfängt und immer tiefer verstrickt und andere in dieses ausgeworfene Netz mit hineinzieht, der hat keinen guten Fang gemacht. Simon und Andreas, Jakobus und Johannes „gehen vom Netz“ und lassen „sofort“ die Netze liegen (Mt 4,20), weil Jesus sie anspricht. Da wird der Anspruch greifbar, den Jesus zuvor formuliert: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe“ (Mt 4,17). Jesus spricht sein ansprechendes Wort nicht in den leeren Raum; konkrete Personen sind angesprochen: Simon und Andreas, Jakobus und Johannes – Namen einfügen – Ihr beiden, Sie, Du und ich.
„Vom Netz gehen“ im Sinne Jesu heißt nicht, die Netze für eine kurze Auszeit liegen zu lassen und für ein paar Tage dem Alltag zu entfliehen – es heißt auch nicht, mal kurz „offline“ zu sein, um dann genauso weiterzumachen wie bisher. Nein, „vom Netz gehen“ verbunden mit dem Anspruch „Kehrt um!“ meint: Mein eigenes Leben in meinem Alltag, meinem Beziehungsnetz und dem Geflecht aus an mich gestellten Erwartungen und eigenen Ansprüchen in einem anderen Licht zu sehen und mich zu fragen:
Wer hält mich? Wer muss mich aushalten? Was trägt mich? Was muss ich ertragen? Was engt mich ein? Und was schenkt mir Weite?
Simon und Andreas, Jakobus und Johannes lassen sich von Jesus und seinem Wort treffen: Er kommt bei ihnen an und sie geben ihrem Leben eine neue Richtung. Und ich? Ich muss und kann nicht alles (sofort) stehen und liegen lassen. Kehrt um, bedeutet, mich von unnötigen Verstrickungen zu befreien. Kehrt um, bedeutet auch, mich immer wieder neu auf den Anspruch Jesu auszurichten, damit er bei mir ankommen kann. Dann ist und wird Advent – mitten im Alltag, mitten in meinem Leben. Nach meiner Umkehr und meiner Bekehrung und der Begegnung mit Jesus Christus sind dann auch neue Wege möglich: Ihm nach und in seinem Namen. Amen.





