Liebe Christinnen und Christen im SSB Hofer Land und darüber hinaus,
liebe Freunde und Bekannte,
liebe E-Gemeinde,
turbulente Zeiten…
… angekündigter Wechsel des Leitenden Pfarrers und die Herausforderungen und Fragen, -> die sich für den SSB, die Pfarreinen, das pastorale Team und auch für mich ergeben
… Geburtstag und ein schönes Fest, das seinen Abschluss und Höhepunkt in der Feier der Eucharistie fand
-> Dankbarkeit im Rückblick auf die vergangenen Jahre
-> Hoffnung und Gottvertrauen für eine gelingende Zukunft
-> Immerwährende Gegenwart: ER, Jesus Christus, ist die Quelle des Lebens
… Herausforderungen des Alltags zwischen Büro und Seelsorge
-> trotz allem eine „gute Mischung“ und sinnstiftend
… Exerzitien im Alltag
-> die diese Zeiten begleiten und spirituell für Gottes Gegenwart öffnen
-> Gott ist da: ER mutet mir einiges zu, aber er schenkt auch Mut, weil er mitgeht
… abgeschlossene Wahlen – jede und jeder hatte die Wahl
-> und damit die Aufgabe, zu gutem und gelingendem Zusammenleben beizutragen
… als Christen sind wir erwählt und angenommen durch die Taufe
-> Sie ist sakramentales Gnadengeschenk Gottes: Gabe und Aufgabe
-> Gotteskindschaft – aber „lebe“ ich dies Taufgnade?
-> Wird es sichtbar, spürbar für andere, dass ich Christ(in) bin?
-> Wie kann ich mein Getauftsein, mein Christsein glaubhaft leben?
-> Was ist meine „Mission“ als Priester?
-> Welche Prioritäten setze ich?
Ich kläre sie immer wieder im Gespräch mit Jesus Christus, der Quelle des Lebens.
Bei ihm klärt sich, worauf es ankommt und was wirklich wichtig ist.
Zu diesen Gedanken zwei Predigtimpulse: WASSER DES LEBENS und ERWÄHLT UND GESALBT
sowie ein Liedimpuls, der auch bei der o.g. Eucharistiefeier „Anklang“ fand und viele zum Nachdenken anregte.
Dir/Ihnen/Euch einen gute und gelingenden Wochenbeschluss
und einen gesegneten Sonntag.
Herzliche Grüße
Dr. Dieter G. Jung
Stellvertreter des Leitenden Pfarrers
Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land
zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau
Richard-Wagner-Straße 2
95126 Schwarzenbach a. d. Saale
Achtung! Neue Rufnummer: 09281 / 84056-35
weiterhin gültig: Tel.: 09284 / 327 Fax: 09284 / 4663
E-Mail: [email protected]
Predigt 3. Fastensonntag; LJ A (2026 SB, OK)
Röm 5,1-2.5-8 + Joh 4,5-42
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Keine Hütten bauen, sondern Versammlungsflächen reduzieren und Kirchen anderweitig nutzen, ist das Gebot der Stunde.[1]Begegnung, Seelsorge und geistliche Gespräche finden nämlich auch außerhalb dieser Räume, an sogenannten „Andersorten von Kirche“ statt; das Gespräch am Jakobsbrunnen des heutigen Evangeliums (vgl. Joh 4,5-42) ist ein markantes Beispiel dafür.
Unabhängig vom Ort kommt es dabei auf die Qualität einer Begegnung und eines Gesprächs an. Oft sind unsere Alltagsgespräche nur kurz und knapp: Wie geht’s? – Mir geht’s gut! Bin zufrieden! Handy, Tablett, I-Phone, wir kommunizieren heute so viel wie nie, doch ohne Tiefgang: eine Kurznachricht auf dem Handy per „WhatsApp“: HDL – Ende.
Ist das ein Leben?! Ein Leben, in dem scheinbar alles glatt läuft – oberflächlich – ohne Tiefgang – ohne jede Sehnsucht, am Ende?!
Mein Leben ist ein Spiegelbild meiner Gespräche. Es erscheint banal und leer, eigentlich sinnlos. Es geht mir nur deswegen gut, weil ich vom Leben nichts mehr erwarte und andere auch nicht. Ich kann mir Wünsche erfüllen und bleibe doch im Tiefsten unerfüllt – irgendwie leer, am Ende.
Ganz ähnlich geht es der Frau im heutigen Evangelium: Auch sie innerlich leer, enttäuscht vom Leben, irgendwie unerfüllt. „Fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann…“ (Joh 4,18). Das sagt Jesus der Frau auf den Kopf zu, aber nicht um sie vor den Kopf zu stoßen oder ihr eine Moralpredigt zu halten. Nein, er will vielmehram
Ende des Gesprächs der Enttäuschung und Leere auf den Grund gehen. Ein Gespräch, das zunächst scheinbar harmlos an der Oberfläche bleibt, und doch eindeutig zweideutig ist: Jesus hat Durst und spricht die Samariterin an: „Gib mir zu trinken.“ (Joh 4,7) In der damaligen Zeit ein Tabu-bruch, wenn sich eine Frau auf ein Gespräch mit einem wildfremden Mann einlässt, noch dazu mit einem Juden – andere Frauen wären voller Verachtung wortlos gegangen, aber die Samariterin lässt sich auf den Dürstenden ein, aus welchen Gründen auch immer. Sie spürt: der Fremde nimmt mich ernst, er braucht mich. Und so setzt sich ein Gespräch in Gang, das von der Oberfläche rasch und immer mehr in die Tiefe geht. Anfangs reden die beiden noch aneinander vorbei: reden vom Wasserschöpfen aus dem Brunnen, von fehlenden Schöpfgefäßen, von ständig leeren Wasserkrügen – immer wieder zum Brunnen gehen müssen, immer neu anfangen. In der Tiefe des Brunnes spiegelt sich das Leben der Frau: immer wieder muss sie sich abmühen, aber ihre Beziehungen sind nicht von Dauer, sie zerbrechen oder enden durch den Tod der Männer – tief in ihr bleiben der Durst und die Sehnsucht nach erfülltem Leben.
Jesus hat ihr was zu bieten: lebendiges Wasser, das allen Durst stillt, das in ihr zur sprudelnden Quelle wird und ewiges Leben schenkt (Joh 4,10.14). „Gib mir dieses Wasser!“ (Joh 4,15) Die innere Leere, die ständigen Enttäuschungen und die mühsame Plagerei, die gerade so am Leben lassen, hätten ein Ende. Der Durst nach Leben wäre gestillt – ja, das wär’s!
Ja, das ist’s – Leben in Fülle! Dazu verhilft Jesus der Frau, weil sie aus der Tiefe ihres Herzens sagt: Ich will meine Sehnsucht nach Leben nicht begraben. Ich will leben. Erst durch das Gespräch am Jakobsbrunnen beginnt im Grunde ihres Herzens die Lebensquelle wieder neu zu sprudeln – und das hat einen Grund: „Wenn du wüsstest, … wer es ist, der zu dir sagt: gib mir zu trinken!“ (Joh 4,10) Immer tiefer erkennt die Frau, wer ihr Gegenüber ist: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin um Wasser bitten? – Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der diesen Brunnen gegraben hat? – Ich sehe, dass du ein Prophet bist. – Ist er vielleicht der Messias? Sie rennt ins Dorf. Den Krug, mit dem sie gekommen war, um Wasser zu schöpfen, lässt sie stehen; sie braucht ihn nicht mehr: Er ist wirklich der Retter der Welt!
Ohne die Begegnung der Frau mit Jesus Christus an diesem „Andersort“ und ohne die Verkündigung der Frau, wären die Dorfbewohner nicht zu Jesus Christus und nicht zum Glauben an ihn gekommen. Dieses Glaubenszeugnis der Samariterin geschieht mitten im Alltag und ist nicht ortsgebunden; das ist wegweisend für uns und unser pastorales Handeln für/in eine(r) Kirche der/mit Zukunft! Und: Auch Frauen haben Anteil an der Evangelisierung!
Und jetzt, am Ende? Wie geht’s mir wirklich? Wie sieht es tief drin in mit aus, unter der sichtbaren Oberfläche? Wonach dürstet mich? Was sind meine tiefsten Sehnsüchte? Wo und wie finde ich Leben in Fülle?
Nur wenn ich mir Zeit nehme und mich am Brunnen meines Lebens niederlasse, nur wenn ich in mich gehe – in die Tiefe – und mich diesen Fragen stelle, kann die Quelle des Lebens tief in mir zu sprudeln beginnen. Ja, das wär’s! … Und das ist’s, was Jesus mir zu bieten hat: Hoffnungen, die lange verschüttet waren, können neu aufleben – durch Ihn. Er geht meinem Leben auf den Grund bis in die tiefsten Tiefen und wird so zum Grund meines Lebens. Wie der Samariterin verheißt Er auch mir Leben in Fülle. Wenn ich mich auf Jesus Christus einlasse, bin ich nicht am Ende, nicht am Ende meiner Kräfte, sondern an der Quelle, an der Quelle des Lebens.
Amen.
[1] Vgl. Hirtenbrief zur Fastenzeit 2026 des Bamberger Erzbischofs Herwig Gössl, der am vergangenen 2. Fastensonntag in allen Gottesdiensten verlesen wurde.
Predigt 4. Fasten-Sonntag; LJ A (2026 Reh; MÜB; SB)
1 Sam 16,1b.6-7.10-13b + Joh 9,1.6-9.13-17.34-38 (KF)
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Sie hatten die Wahl: Vor zwei Wochen haben wir einen neuen Pfarrgemeindetrat gewählt (→ danke allen, die sich zur Wahl gestellt haben und allen Gewählten) und vor einer Woche Bürgermeister und Stadtrat, Landrat und Kreistag. Wir hatten die Wahl – egal, ob wir gewählt haben, oder nicht. Wir hatten die Wahl – jede und jeder von uns.
Was waren meine Entscheidungskriterien: die Erfahrung im PGR oder im politischen Geschäft auf kommunaler oder Landesebene – das Geschlecht – die Erscheinung, das Aussehen, oder die Kleidung – das Auftreten, die Redegewandtheit oder die Sachargumente? Wie habe ich gewählt?
Das Volk hat gewählt – Saul war aufgrund seiner körperlichen Größe per Akklamation durch das Volk zum König erkoren worden (vgl. 1 Sam 10,21-24). Gott hat gewählt – einen Nachfolger für König Saul, weil dieser gegen Gott gehandelt hatte. Gott schickte den Propheten Samuel zum Betlehemiter Isai, damit er einen von dessen Söhnen zum neuen König salbe. Ahnungslos macht sich Samuel auf den Weg nach Bethlehem.
Woran sollte er den zu salbenden zukünftigen König erkennen?
Samuel sieht den ersten von Isais Söhnen, Eliab; der ist von „stattliche[r] Gestalt“ (1 Sam 16,7) und Samuel sympathisch. Der könnte doch der zukünftige König sein, denkt Samuel. Zumindest traut er es dem Eliab rein äußerlich zu. Samuel schließt von der äußeren, sichtbaren Erscheinung des Eliab auf dessen innere Werte und dessen unsichtbaren Charakter.
Gott wählt – aber nicht den Eliab. Gott hat ein anderes Entscheidungskriterium: Er blickt tiefer. Er sieht unter die Oberfläche, hinter die äußere Fassade – „Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz“ (1 Sam 16,7). Gott wählt den Kleinsten, den jüngsten Sohn Isais, David, der gerade die Schafe hütet (1 Sam 16,11). Gott wählt denjenigen, der nach rein äußeren Kriterien keine Chance hat, König zu werden. Er wählt denjenigen , von dessen inneren Werten er überzeugt ist – und Samuel salbt David zum König.
Worauf fällt meine Wahl? Wofür entscheide ich mich?
Für einen „Kult“ der Äußerlichkeiten, für eine Outfit-Kultur, damit ich mich gut verkaufe und vor anderen gut dastehe – ganz egal, wie es in mir aussieht, oder ob es mit meiner inneren Überzeugung übereinstimmt?
Oder gilt für mich der alte Werbespruch: Wahre Schönheit kommt von innen – und da helfe ich dann mit allen möglichen Mittelchen nach?
Wie ich mich auch entscheide, was ich auch wähle – man wird mir doch ansehen, ob meine innere Einstellung mit meinem Tun übereinstimmt – man wird mir ansehen, ob meine Ausstrahlung echt ist oder nur fake, ob sie wirklich von Herzen kommt, oder nur ein aufgemaltes Lächeln ist.
Habe ich eine Wahl? – Ich bin gewählt!
Bei meiner Taufe wurde auch ich gesalbt – mit Chrisam, mit einem ganz besonderen, duftenden Öl. Die Salbung mit Chrisam ist dabei nicht wie das Eincremen mit einer Salbe oder einer Creme, die einfach einzieht und deren Wirkung irgendwann nachlässt. Die Salbung mit Chrisam schenkt eine neue Würde, die ewig bleibt: Ich bin von Gott erwählt, ein(e) Gesalbte(r) – das heißt übersetzt – ein Christ. Es muss also etwas in mir geben – in meinem Herzen, in meinem Inneren –, das mich salbungswürdig und christusähnlich macht. Durch die Taufe bin ich Kind Gottes und Bruder Jesu Christi – und habe durch die Salbung Anteil an der priesterlichen, königlichen und prophetischen Würde Jesu Christi.
Gesalbt priesterlich, königlich und prophetisch in Kirche, Gesellschaft und Leben zu wirken, sind wir alle: Uns allen ist die Feier der Gottesdienste in verschiedenen Feierformen aufgetragen, in den verschiedenen Diensten, als Priester, als Pastorale Mitarbeiter, als Ehrenamtliche, als Beter(innen). Wir alle können als Haupt- und Ehrenamtliche mitbestimmen, wo es in der Kirche, Seelsorgebereich und Pfarrei lang geht – danke allen, die einbringen und engagieren. Wir alle haben die Wahl und das Recht, konstruktive Kritik zu üben, sagen zu dürfen, wo etwas schiefläuft, und Verbesserungen vorzuschlagen und mitzuarbeiten – mit dem Ziel einer lebendigen Pfarrgemeinde, einem Seelsorgebereich voller Leben und einer lebensnahen Kirche.
Dazu sind wir erwählt und gesalbt und als Christen getauft und gesandt – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.





