Pfingstimpuls

Liebe Christinnen und Christen im SSB Hofer Land und darüber hinaus,

liebe Freunde und Bekannte,

liebe E-Gemeinde,

 

wir feiern Pfingsten:

Der Heilige Geist ist Gottes Gabe für uns – es ist unsere Aufgabe ihn ins uns und durch uns und unsere Geistesgaben wirken zu lassen.

 

Der Heilige Geist wirkt vielfältig und bewirkt (Sprachen-)Vielfalt – wo Einfalt vorherrscht, wo Egoismus gelebt wird und First-Politik betrieben, ist der Heilige Geist nicht am Werk.

 

Der Heilige Geist bewirkt Einheit in und trotz aller Vielfalt – er sprengt Grenzen, überwindet Mauern und bricht der Frohen Botschaft Bahn – Geburtsfest der Kirche und gelebten christlichen Glaubens. 

 

Gott, sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu!

 

Mit dem Renovabis-Lied (LINK: https://www.youtube.com/watch?v=zmNq3hLcOxo)

und dem angehängten Impuls wünsche ich Dir/Euch/Ihnen geisterfüllte Tage und geistreiches Leben

 

Dr. Dieter G. Jung

Stellvertreter des Leitenden Pfarrers

Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land
zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau

 

PREDIGT Pfingstsonntag (LJ A) (2026 OK, SB, Reh, RL)
Apg 2,1-11 + 1 Kor 12,3b-7.12-13 + Joh 20,19-23


Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
„Du bewegst die Welt“ – unter diesem bischöflichen Leitwort steht das Jahr 2026; auch die kirchlichen Hochfeste feiern wir mit diesem Akzent: „Du
bewegst die Welt“. Weihnachten – der Menschgewordene Gott, das Kind inder Krippe bewegt Hirten und Könige und hoffentlich auch uns, immer
wieder neu Beziehung zu Jesus Christus aufzunehmen, (in Gebet undGottesdienst) zu IHM zu kommen und IHN anzubeten; Ostern – Gott bewegt
den Stein, öffnet das Grab und bewirkt die Auferstehung Jesu Christi und er bewegt die Jüngerinnen und Jünger, sich auf den Glaubensweg zu machen.
Heute feiern wir das Pfingstfest – Gottes Geist bringt in Bewegung und führt die Jüngerinnen und Jünger aus ihrer Verschlossenheit heraus; er bewegt die Herzen und schenkt Kraft und Mut, den Glauben in den verschiedenen Sprachen der Menschen zu verkünden, den einen Glauben, der alle eint und verbindet, trotz aller Verschiedenheit in Sprache und Nationalität.


„Du bewegst die Welt“, ist unser Bekenntnis zu Gott, dem Ursprung und Schöpfer allen Lebens. Gott ist der „unbewegte Beweger“ (Aristoteles), der alles in Bewegung setzt und „zum Laufen“ bringt. Gott zieht sich aber nicht aus seiner Schöpfung zurück: Gottes guter Geist war von Anfang an da und wirksam (vgl. Gen 1,2); er ist die Dynamik, die alles am Leben erhält, Gottes Schöpfungsatem. Gott atmet in seine Schöpfung hinein, beatmet die leblose Materie und haucht seine Geschöpfe an. Es ist der zärtliche Hauch, mit dem Gott nach biblischer Vorstellung dem Menschen den Lebensatem und Lebendigkeit einhaucht – wie auch den Jüngerinnen und Jüngern an
Pfingsten im Evangelium nach Johannes (vgl. Joh 20,22). Dort ist von Sturmesbrauchen und Feuerzungen (vgl. Apg 2,2-3) keine Rede, sondern vom Anhauchen, vom Zuatmen von Gottes Geist durch Jesus Christus, den auferstandenen Gekreuzigten, der lebt, lebendig ist und neuen Lebensmut schenkt:

Shalom, Frieden und Vergebung der Sünden durch das Wirkenvon Gottes Geist.


„Du bewegst die Welt“, Jesus Christus. ER hat Zeit seines Erdenlebens Menschen bewegt durch seine Worte und Taten, in denen der Geist Gottes, die Kraft, die alles verwandeln kann, wirksam ist. Diese Wirkmächtigkeit Gottes in Jesus Christus hat einerseits Menschen bewegt, sich IHM anzuschließen, IHM nachzufolgen, mit IHM zu gehen – und andererseits auch Menschen in Bewegung gesetzt, gegen Jesus Christus vorzugehen, IHN und seine Botschaft zu bekämpfen: Feindschaft statt Gemeinschaft. An Jesus Christus, der eins ist mit dem Heiligen Geist und Gott dem Vater, an IHM scheiden sich die Geister der Menschen – auch heute, wenn sie blind dem Zeitgeist folgen, wenn sie geistlos in den Tag leben oder wenn sie meinen, alles allein machen zu können, zu dürfen oder zu müssen: Auf Gottes Geist, auf die
verschiedenen Geistesgaben und auf ein gutes Zusammenwirken der unterschiedlichen Charismen kommt es an! (vgl. 1 Kor 12,3b-7). Heiliger Geist ist Gottes Geschenk an die Jüngerinnen und Jünger, an uns Christen, an jeden Menschen – nicht, dass wir diesen Geist für uns behalten, sondern damit wir geisterfüllt leben und ihn zum Nutzen und zum Wohl anderer, ja aller einsetzen (vgl. 1 Kor 12,7). Aus einer Verinnerlichung des Geistes Gottes und einer inneren Bewegtheit in mir soll durch mich eine Bewegung entstehen, die nach außen geht und sich äußert, die aus dem lebendigen Glauben heraus lebt und die den Glauben in Wort und Tat verkündet: geistlich und kraftvoll.


„Du bewegst die Welt!“ Begeisterte Menschen bewegen und begeistern andere! Die betenden Jünger, Maria und die Frauen werden „begeistert“ –
Maria nicht erst im Abendmahl-Saal, wohin sie mit den Aposteln und den Frauen nach der Himmelfahrt Jesu zurückgekehrt ist (vgl. Apg 1,12-14).
Maria war offen für das Wirken von Gottes Geist schon bei der Ankündigung, dass sie Mutter des Gottessohnes sein soll, und auch unter dem Kreuz, wo der sterbende Jesus ihr und Johannes seinen Geist zuhauchte und Maria zur Mutter des Johannes und zur Mutter der Kirche wurde.


„Du bewegst die Welt!“ Pater Rudolf Lunkenbein ist ein Glaubenszeuge unserer Zeit und aus unserem Erzbistum, der aus Gottes Geist heraus lebte – derzeit läuft das Seligsprechungsverfahren. Pater Rudolf Lunkenbein setzte sich im brasilianischen Amazonasgebiet gemeinsam mit dem Indigenen Simão für die Rechte des Bororo-Volkes ein – eine Verbundenheit in Gottes Heiligem Geist, eine Verbundenheit über Nationalitäten und Grenzen hinweg. Beide kämpften für den Erhalt von
Land und Kultur und Lebensrecht des Bororo-Volkes und gegen Ausgrenzung und die Zerstörung von wichtigen Lebensgrundlagen. Ihr Einsatz für das Leben führte dazu, dass beide am 15. Juli 1976 ermordet wurden. Ihr Glaubenszeugnis steht bis heute für Mut, Hoffnung und Hingabe – für ein Leben aus Gottes Geist.


„Du bewegst die Welt“ – auf dieses Zusammenwirken der Menschen zum Wohl der einen Menschheit kommt es an: miteinander und füreinander!
Das Leitwort der aktuellen RENOVABIS-Pfingst-Aktion macht das deutlich: zusammen_wachsen. Beide Dimensionen und Dynamiken sind in diesem Wort enthalten „zusammenwachsen“ (↔) und „zusammen wachsen“ (↕): geisterfüllt und mutig aufeinander zugehen, Gemeinschaft stiften und Gottes Geist wirken lassen und so den Zusammenhalt stärken, um Miteinander zu wachsen und Not zu begegnen nicht nur im Sehen, sondern auch im konkreten Tun, in umgesetzter Gerechtigkeit und gelebter Solidarität.


„Du bewegst die Welt!“ Auf Dich kommt es an! Allen ist Gottes Geist gegeben! Geschwisterlichkeit aller Menschen trotz aller Verschiedenheit – geeint und Gottes Geist.

 

„Der Friede sei mit Euch“ – dieser geisterfüllte Gruß und diese geistreiche Ermutigung des Auferstandenen sei auch unser Gruß, kein frommer Wunsch, sondern ein Wort, das verschlossene Türen öffnet, Herzen bewegt und uns Ansporn sei, im Vertrauen auf das Wirken des Heiligen Geistes alles Menschenmögliche für den Frieden und für Versöhnung zu tun. „Du bewegst die Welt“, wenn du Gottes Geist wirken lässt. AMEN.