Liebe Christinnen und Christen im SSB Hofer Land und darüber hinaus,
liebe Freunde und Bekannte,
liebe E-Gemeinde,
künstliche Intelligenz, KI,
erleichtert unser Leben und Arbeiten:
KI-basiert sind viele Prozesse
KI steckt in vielem drin –
Tendenz steigend.
Ohne KI scheint nichts mehr zu gehen.
Wie haben wir das nur vor der KI-Zeit
und vor dem Handy-Zeitalter geschafft?
Hat KI Grenzen – und muss es die sogar
haben? Oder ist KI grenzenlos einsetzbar
und kann alles, jedes und jeden ersetzen?
Fragen, die viele Menschen aktuell umtreiben,
beschäftigen und auch Angst machen:
Wir wird unsere Zukunft aussehen?
Ist alles algorithmisiert und KI-gesteuert;
oder behält menschliches Denken die Oberhand?
Sind menschliche, mitmenschliche und zwischenmenschliche Beziehungen maßgeblich?
Was ist für den Menschen – für jeden Menschen – wichtig und lebensnot-wendig und existentiell?
Steht der Mensch noch im Mittelpunkt – und seine unantastbare Würde und die Entfaltung der Person
als Maßstab für alle politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systeme und Prozesse?
Die großartige Menschheit im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz…
und Lebens- und Zukunftsfragen, über die es nachzudenken gilt und auch darüber,
was Religion und christlicher Glaube damit zu tun hat und welchen Beitrag sie/er leisten kann.
Viel Freude beim Lesen des Impulses und beim Nachdenken.
Anbei ein Lied zur Einführung, Ergänzung und Vertiefung und Mitsingen ( GL 144).
Dir/Euch/Ihnen einen gesegneten Sonntagabend und einen guten Start in die neue Woche!
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dieter G. Jung
Stellvertreter des Leitenden Pfarrers
Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land
zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau
Predigt 11. Sonntag im Jahreskreis LJ A (2026 SB, OK)
Ex 19,2-6 + Mt 9,36-10,8
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Einsamkeit ist kein schönes Gefühlt und erst recht keine angenehme Realität: Es ist niemand da ist, der sich um einen sorgt. Menschen sind heute zwar vernetzter denn je, aber auch einsamer denn je. Wir sind gefangen in virtuellen Welten und durch Bildschirme, Handys und Zock-Boxen – persönliche Nähe und Mitmenschlichkeit bleiben auf der Strecke.
Am Pfingstmontag wurde die Enzyklika „Magnifica humanitas – über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“ veröffentlicht. Papst Leo XIV. warnt darin, dass Künstliche Intelligenz, also die KI, das Risiko von sozialer Isolation und Einsamkeit massiv verstärken kann. 40 Prozent der jungen Erwachsenen reden lieber mit der KI als mit Verwandten, ergab kürzlich eine Studie – KI ist einfach und bequem und sie kritisiert (meist) nicht. Soziale Medien, digitale Interaktionen und Algorithmen können aber keine echten (mit)menschlichen und zwischenmenschlichen Beziehungen ersetzen. Sie sind Trugbilder und Illusionen von ersehnter Gemeinschaft und Partnerschaft auf Augenhöhe und hinterlassen oft eine tiefe innere Leere oder das Gefühl der Fremdbestimmtheit. KI isoliert Menschen oft in ihrer eigenen Gedankenwelt/Bubble, anstatt echten Dialog zu fördern und damit Aufbrüche und persönliches Wachstum zu ermöglichen.
Wenn auch lange vor dem KI-Aufkommen entstanden, setzen die Schrifttexte des 11. Sonntags im Jahreskreis im Lesejahr A (Ex 19,2-6 + Mt 9,36-10,8) ein anderes Gottesbild dagegen: Gott will die Menschen und ihre sozialen Beziehungen nicht mit aller Macht kontrollieren, sondern zum Gelingen und Wachstum bringen und alles in seiner Macht Stehende dafür tun. Die Menschen sind Gott nicht egal. Gott ist für sie da, wenn sie ihn brauchen.
Die Lesung (Ex 19,2-6) offenbart Gott als den, der sein Volk aus der Sklaverei und Unterdrückung befreit und auf Adlerflügeln über alle Schwierigkeiten hinweggetragen hat. Gott schenkt Schutz und Rettung. Er ist und bleibt der Ich bin der ich bin da für Euch. Gott beflügelt und schenkt neue Perspektiven: Lebensperspektiven aus dem Glauben. Gott schenkt Orientierung durch sein Wort und seine Gebote. Er hat einen Bund mit dem Volk geschlossen – keine einseitige unkontrollierbare Abhängigkeit, sondern einen gegenseitigen Bund auf Augenhöhe. Gott erneuert den Bund, den er mit Abraham und den Stammvätern (und -müttern) Israels geschlossen hat. Gottes Bund mit den Menschen und ihre Verbundenheit mit ihm hat somit Kontinuität – echte Beziehung statt mathematisch berechenbarer Konzepte. Die Menschen sind Gottes „besonderes Eigentum“; sie sollen Gott „als ein Königreich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören“ (Ex 19,5-6a). Durch diese Aussage drückt Gott keine Abhängigkeit, sondern eine Zugehörigkeit und eine besondere Beziehungsqualität aus: Partnerschaft statt Unterordnung – das ist das Neue und Einmalige, das Gott dem ganzen auserwählten Volk anbietet! Das besondere Leben in der Nähe Gottes – es war bisher nur den Kultpriestern vorbehalten – ist durch diesen besonderen Bund allen ermöglicht!
Im Evangelium spricht Jesus „von Schafen, die keinen Hirten haben“ (Mt 9,36). Er sieht die Not der Menschen: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter“ (Mt 9,37) und bittet die Menschen um ihr Gebet um ausreichend Erntehelfer. Jesus handelt selbst als guter Hirte und wendet die aktuelle Personalnot. Er weiß aber, dass er nicht alles allein machen kann: Erbraucht Mitarbeiter. Jesus sendet daher Menschen aus, die sich um die Müden und Erschöpften, Hilflosen und Kranken des eigenen Volkes kümmern und sorgen sollen: Da sein – Fürsorge – Seelsorge, darauf kommt es Ihm an!
Gott ist da für uns – und Jesus Christus ist der gute Hirte für uns:
- Bei Ihm finden wir Schutz und Geborgenheit, Trost und Hilfe;
- Er stärkt uns durch seine lebensspendenden Worte und durch das Brot des Lebens, das er selber ist;
- Er geht mit uns und steht uns zur Seite; der Mensch steht beim Ihm im Mittelpunkt, nichts und niemand anderes.
„Magnifica humanitas – die großartige Menschheit“ gilt es zu bewahren und in eine gute Zukunft zu führen. Sinnvoll eingesetzt kann KI dabei helfen – aber es braucht v. a. Seelsorgerinnen und Seelsorger, fürsorgliche Männer und Frauen, die echte mitmenschliche und zwischenmenschliche Beziehungen und auch ihre Gottesbeziehung leben, und so Gottes Da Sein ein menschliches Gesicht geben – ihr Gesicht – heute – hier bei uns. Amen.





