ERFRISCHENDER iMPULS

Liebe Christinnen und Christen im SSB Hofer Land und darüber hinaus,

liebe Freunde und Bekannte,

liebe E-Gemeinde,

 

Nachfolge und der Durst nach Leben:

„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen

sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi“,

so sagt es die Pastoralkonstitution des zweiten Vatikanischen Konzils Gaudium et spes.

Auch angesichts des eigenen Kreuzes soll ich in der Nachfolge Christi offen sein für das, was meine Mitmenschen bewegt, bei ihnen sein und ihren Durst nach Leben stillen.

So kann es gehen:

das eigene Kreuz tragen und das der anderen (er-)tragen helfen,

besonders das der Armen und Schwachen, die sonst keine(n) Helfer(in) haben.

Durch die Kreuze meiner Mitmenschen und die geteilten Sorgen und gelinderten Nöte, durch das Kreuz und meine Beziehung zum Gekreuzigten hindurch zum Leben –

das ist der Weg der Nachfolge Jesu Christi.

 

Dazu ein Lied-LINK zum Vertiefen (GL 275).                                                                       

 

Dir/Euch/Ihnen eine gesegnete Woche mit den notwendigen Erfrischungen,

einen kühlen Kopf sowie Kraft und Mut Jesus Christus täglich neu nachzufolgen!

 

Herzliche Grüße

 

Dr. Dieter G. Jung

Stellvertreter des Leitenden Pfarrers

Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land
zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau

PREDIGT 13. So. i. Jahreskreis LJ A (2026 OK, SB, Reh)
2 Kön 4,8-11.14-16/Röm 6,3-4.8-11 + Mt 10,37-42

 

Liebe Schwestern und Brüder, leibe Kinder liebe Jugendliche!
Es ist nahezu unerträglich heiß in diesen Tagen: über 40 °C vielerorts.
Temperaturen erreichen immer neue Höchstwerte und das stellt uns vor Herausforderungen. Dicht bebaute Orte ohne schattenspendende Bäume heizen sich dann schnell auf. Ohne kühlen Kopf und die nötige Abkühlung erhitzen sich schnell die Gemüter – auch bei Diskussionen und Auseinandersetzungen. Neben dem Aufsuchen von Schatten oder kühlen Gebäuden, bringt auch Wasser Abhilfe: Es kühlt äußerlich und erfrischt
innerlich. Ein Glas frisches Wasser – welch eine Wohltat bei dieser . Wer
einem anderen eine derartige Erfrischung anbietet – welch eine Geste der
Gastfreundschaft. Jesus deutet im Matthäusevangelium diesen „Becher
frische[n] Wasser[s]“ (Mt 10,42), diese kleine Geste, als Zeichen gelebten
Christseins – und an späterer Stelle im selben Evangelium als Chance Jesus
Christus in der helfenden Tat an den Mitmenschen zu erkennen, oder diese
Chance zu vertun: „[…] Ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben
[…]“ (Mt 25,31-46).
Mit einem Becher frischen Wassers fängt das Christsein an: Tauf-frisch
–mit einem Becher frischen Wasser kann gelebtes Christsein anfangen.
Wenn ich teile mit dem, der diese Erfrischung im Leben braucht, oder gar
zum Überleben braucht, dann ist dieser Becher ein Beispiel, das mich zum

Nachdenken anregt, wo und wie ich noch gefordert bin, mein Christsein zu
leben.
Ich bin gefordert – herausgefordert, Jesus Christus nachzufolgen. Auf das
Wie kommt es dabei an. Jesus ist radikal und eindringlich: Dreimal
bewertet im heutigen Evangelium (Mt 10,37-42) Formen der Nachfolge mit
dem Satz „der/[die] ist meiner nicht wert.“ Eine klare und entschiedene
Wertung, die mich, die jede(n) einzelne(n), die uns als
Glaubensgemeinschaft herausfordert. Den Aposteln damals und uns, die
wir heute in der Nachfolge Jesu stehen, gilt diese Wertung, damit wir im
Sinne Jesu wertvoll wirken können, damit seine Botschaft durch uns
sichtbar und glaubwürdig wird.
Nachfolge Jesu Christi bedeutet Hilfsbereitschaft – nicht nur für
Familienmitglieder und Freunde, sondern auch Fremden gegenüber. Das ist
die Radikalität, die Jesus Christus einfordert. In all diesem Tun aber soll
Jesus Christus an erster Stelle stehen – IHM gebührt das „mehr“ an Liebe.
Familiäre Beziehungen und Begegnung mit Freunden sind daher neu zu
bewerten: Jesus fordert an dieser Stelle im Evangelium nicht, Familie und
Freunde ganz aufzugeben. Kinder- und Elternliebe, Freundes- und
Feindesliebe und auch die Fremden erwiesene Liebe ist wichtig – ist aber
nicht alles: Jesus Christus lieben, IHN „mehr“ lieben als alle(s) andere(n)
und freundschaftlich mit IHM verbunden zu sein, darum geht es Jesus, dem

Christus. Das ist die Radikalität, die ER einfordert: Familie und
mitmenschliche Freundschaft soll meiner Christusbeziehung nicht im Weg
stehen; sie sollen mich vielmehr in meiner gelebten Christusbeziehung
fördern, stützen und unterstützen: leben durch Christus – leben mit Christus
– leben in Christus!
Diese radikale Nachfolge beinhaltet auch mein Ja zum Kreuz – die
Bereitschaft, mein Kreuz auf mich zu nehmen. Es ist der Ernstfall im Leben
aus dem christlichen Glauben, der Ernstfall der Nachfolge – eine
Herausforderung und manchmal auch eine Überforderung: das Annehmen
und das Auf-mich-Nehmen des eigenen Kreuzes, wenn die Situation es
erfordert. Der Evangelist Matthäus legt den Akzent damit nicht auf den
Kreuzweg, nicht auf das Leiden und das Aushalten-Müssen, sondern auf
den ersten Schritt, das Annehmen des Kreuzes, der Krankheit, der
Anfeindung, oder was auch immer das eigene Kreuz ist. Nicht das Kreuz
mit allen Mitteln abzuschütteln, sondern es mit Gottes Hilfe anzunehmen,
das ist der Weg echter Nachfolge, der Weg, der nach den Worten Jesu zum
(ewigen) Leben führt: Die Hingabe des Lebens und der Verlust an
Lebensqualität führen zum Gewinn des Lebens durch, mit und in Christus.
Dieser Weg der Nachfolge fordert mich heraus und fordert immer wieder
Hingabe, Leidenschaft und Leidensbereitschaft nicht erst am Ende meines
Lebens, sondern Zeit meines Lebens. Darin unterscheiden sich gemäß dem
dänischen Religionsphilosophen und Theologen Søren Kierkegaard die
Bewunderer Jesu von dessen echten Nachfolgern: Nur echte Nachfolger

nehmen das Kreuz als das je eigene an. Bewunderer gehen dieser
Entscheidung aus dem Weg. Echte Nachfolger verbinden ihr Leben aus
dem Glauben mit Jesus Christus; sie fragen nicht, was sie davon haben,
sondern was Jesus Christus von ihnen hat. Bewunderer sonnen sich gern
und oft im Glanz Jesu Christi. Echte Nachfolger dagegen sind dem Elend
der Welt verpflichtet und wenden Not – und sei es mit einem angebotenen
Becher frischen Wassers. AMEN.