Impuls

Liebe Christinnen und Christen in unseren Pfarreien, liebe Freunde und Bekannte,

 

der Sonntag ist eingeläutet – die Heilige Woche, die Karwoche, hat begonnen;

die Vorbereitungen dazu schon viel früher:

 

Schon vor vielen Wochen haben mir Pfarrmitglieder erzählt, dass sie schon Zweige für die Palmbuschen geschnitten und zurückgelegt haben – das war noch vor der Corona-Krise.

Vielfach fand man längs von Bahnstrecken gestutzte Weiden, um das Lichtraumprofil für den Zugverkehr freizuhalten – und von diesen, bereits abgesägten Ästen ließen sich wunderbar Palmkätzchen abschneiden; somit blieben die „Kätzchen“ für die Bienen die an den Sträuchern als wichtige Nahrungsquelle und (Über-)Lebensquelle im Frühjahr.

Palmbuschen binden aus Palmkätzchen und evtl. sogar mit grünem Buchs – Zeichen des Lebens für den, der das Leben ist und es bringt: Jesus Christus.

 

Während des Theologischen Studienjahres in Israel 2005/06 konnte ich zusammen mit anderen Studierenden und den Mönchen die dortige Prozession am Palmsonntag mitfeiern. Wir hatten uns tags zuvor schon Palmwedel besorgt; echte große Palmwedel – die Bamberger Palmprozession hat die zwar auch und auch in der Pfarrei Giech hat man mir immer einen Palmwedel besorgt, aber in Jerusalem ist das alles viel eindrücklicher:

Oberhalb des Ölbergs an der Kirche von Betfage beginnt am Sonntagnachmittag die traditionelle Prozession, hinunter ins Kidrontal und dann durch das Stadttor nach Jerusalem hinein durch die Gassen der Altstadt bis zur St. Anna-Kirche– Jubel und Freudengesänge, Gebet und unzählige schwingende Palmwedel: „Hosianna dem Sohne Davids“.

 

Eindrücke aus dem Jahr 2019

 

 

2020 wird das ganz anders sein – keine Pilger in Jerusalem und auch in unseren Gemeinden gibt es morgen keine Palmprozession.

Ansteckungsgefahr – nicht vor Freude, wie sonst – sondern Corona-Virus.

Keine Jubelstimmung in diesen Tagen.

 

Der morgige Palmsonntag wird ganz anders – die Vorbereitungen sind in vollem Gang:

Die Natur „jubelt“ dem, der da kommt im Namen des Herrn zu, mit ersten grünen Blättern, gelben Forsythienblüten und Osterglocken, blauen Traubenhyazinthen. Die Sonne legt ihr strahlendes und wärmendes „Gewand“ auf die Erde und schmückt sie mit Lichtreflexen und Glanzpunkten. Die Natur und die Sonne bringen Farbtupfer und Licht in diese tristen Tage, breitet den einen hellen, fröhlich bunten Teppich des Lebens aus für den, der da Einzug halten will: Jesus Christus.

 

Lassen wir uns anstecken von der Schönheit und dem Jubel der Natur – gehen wir raus und „begehen“ wir den morgigen Palmsonntag – mit Abstand natürlich – und wenn möglich mit einem Gebet auf unseren Lippen.

 

Freuen wir uns und jubeln IHM, unserem König, morgen zu, der „Heil und Leben mit sich bringt“, wie es ein Adventslied – das auch als Palmsonntagslied gesungen werden kann – ausdrückt:

 

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; / es kommt der Herr der Herrlichkeit,

ein König aller Königreich, / ein Heiland aller Welt zugleich,

der Heil und Leben mit sich bringt; / derhalben jauchzt, mit Freuden singt:

Gelobet sei mein Gott, / mein Schöpfer reich von Rat.

 

Er ist gerecht, ein Helfer wert; / Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,

sein Königskron ist Heiligkeit, / sein Zepter ist Barmherzigkeit;

all unsre Not zum End er bringt, / derhalben jauchzt, mit Freuden singt:

Gelobet sei mein Gott, / mein Heiland groß von Tat.

 

O wohl dem Land, o wohl der Stadt, / so diesen König bei sich hat.

Wohl allen Herzen insgemein, / da dieser König ziehet ein.

Er ist die rechte Freudensonn, / bringt mit sich lauter Freud und Wonn.

Gelobet sei mein Gott, /mein Tröster früh und spat.

 

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, / eu’r Herz zum Tempel zubereit’.

Die Zweiglein der Gottseligkeit / steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;

so kommt der König auch zu euch, / ja, Heil und Leben mit zugleich.

Gelobet sei mein Gott, / voll Rat, voll Tat, voll Gnad.

 

Komm, o mein Heiland Jesu Christ, / meins Herzens Tür dir offen ist.

Ach zieh mit deiner Gnade ein; / dein Freundlichkeit auch uns erschein.

Dein Heilger Geist uns führ und leit / den Weg zur ewgen Seligkeit.

Dem Namen dein, o Herr, / sei ewig Preis und Ehr.

 

Vielleicht führt ja Ihr Palmsonntagsspaziergang bzw. „Palmsonntagsprozession“ in eine unserer Pfarrkirchen – dort liegen ab 11:00 Uhr gesegnete Palmzweige zum Mitnehmen für sie bereit.

 

Herr Jesus Christus, du willst bei uns sein – du ziehst in unserer Leben ein.

 

Als König willst du nicht über uns herrschen, uns nicht unterdrücken, sondern du willst für und König sein, fürsorglich, helfend, Lasten abnehmend. Zu dir dürfen wir kommen mit Freude aber auch mit den Sorgen und Bedrängnissen dieser Tage. Wir bitten dich in dieser Zeit der Ängste und Bedrohung durch Corona um deinen Schutz, deinen Beistand und deinen Segen für alle Menschen, die Sterbenden, die Kranken, die Gesunden, die Alten und die Jungen, die Einsamen und die Familien, die sich nicht besuchen können, für alle Menschen weltweit.

 

Lass und mit dir und im Vertrauen auf dich durch diese Karwoche und durch diese Zeit gehen und bleibe bei uns mit deinem Segen + im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Euch gesegnete Kartage voller Hoffnung, voller Zuversicht, voller Leben

Dieter G. Jung

Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau

Kommentar schreiben

Kommentare: 0