IMPULS

Liebe Freunde und Bekannte, liebe Schwestern und Brüder!

EIN TAG DER STILLE – GRABESRUHE.

 

Zumindest sollte es still sein – es gibt ja keinen Gottesdienst, der zu feiern wäre – auch für den Priester nicht.

Die stillste Zeit und Zeit der Ruhe war heute am Morgen bei der Trauermette in aller Stille am Hl. Grab. Eine stille Beterin war auch dort.

Das Hl. Grab und der dort Liegende strömen Ruhe aus: „Es ist vollbracht!“ (Joh 19,30).

 

Das Grab Christi macht keine Angst, es bewegt die Herzen, es lässt ruhig werden. 

Mit Augustinus können wir sagen: Unruhig ist mein Herz, bis es Ruhe findet in dir.

In Schwarzenbach, wo ich heute früh „am Grab“ war, ist das Grab Teil eines Gartens.

Eine große Palme hat ganz sanft und zärtlich ihr Palmwedel über den Verstorbenen gebreitet – Geborgenheit.

Ruhen in Gottes Hand – „du hieltest mich in Händen im Leben und im Tod“ (Gotteslob Nr. 428 / Str. 2).

Wie tröstlich auch für die Sterbenden, auch im Tod nicht allein zu sein.

Wie tröstlich ist dieser Gedanke in diesen Tagen für alle die trauern, die Menschen bestatten wollen, es aber aufgrund der Vorschriften nicht oder nur im sehr kleinen Kreis können.

Wie tröstlich auch für alle, die unter Anspannung leiden in den Kliniken, in den Lebensmittelläden und an vielen anderen Orten und in vielen anderen Situationen.

 

Das Grab ist in einem Garten, der Leichnam bestattet in einem Ort grünenden und blühenden Lebens.

Ein Ort der Hoffnung auf Leben umgibt dieses Grab:

„Er wird der Erde übergeben, wie man den Weizen bettet ein;

doch wird er auferstehn und leben und über alles herrlich sein“ (altes Gotteslob 185 / Str. 14).

Das Grab kann das Leben auf Dauer nicht ausschließen, weil in ihm Jesus Christus, das Leben und die Liebe in Person, lebt.

Auch dieser Gedanke macht Mut in der jetzigen Zeit, in der Zeit der Angst, wie es weitergehen wird.

Wir können dieser Zeit, dieser Grabesstimmung nicht entfliehen – da müssen wir durch – das müssen wir aushalten.

Aber der Garten, die blühende Natur und auch unser christlicher Glauben geben uns in diesen Tagen Hoffnung.

Wir müssten in diesen Tagen nicht ständig „Corona-Spezial-Sendungen“ zu sehen bekommen, sondern Bilder und Ereignisse der Hoffnung – 

sicher, wir sollen die Augen nicht vor der Realität verschließen, aber wir dürfen dabei die Hoffnung nicht aufgeben, die Hoffnung, die uns auf vielfältige Weise geschenkt ist – 

nehmen wir sie mit allen Sinnen auf und leben wir in diesen Tagen aus dieser Hoffnung.

 

Die Ostkirche kennt ein anderes Bild für den Karsamstag und auch für Ostern: den sogenannten „Höllenabstieg“ Jesu.

„Hinabgestiegen in das Reich des Todes“, so bekennen wir im Glaubensbekenntnis.

Auf Ikonen ist dieses Geschehen so dargestellt: Dunkel – und dann auf zwei Türflügeln stehend, umgeben von unzähligen Schlüsseln, die diese Türen verschlossen hielten, in hellem Licht Christus, der die Pforten der Unterwelt sprengt. Zwei Menschen zieht er an der Hand, genauer gesagt am Handgelenk, dort wo eigentlich das Leben pulsiert, zurück ins pulsierende Leben – ins ewige Leben. Diese Ikonendarstellung wird auch „Anastasis“ (griech.: Auferstehung) genannt.

 

Jesus Christus, der mich ins Leben (zurück) bringt – die neutestamentliche Lesung der Osternacht aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom bringt es auf den Punkt:

„Wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft worden. Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln. Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein.  (Röm 6,3-5).

Jesus Christus, der mich ins Leben (zurück) bringt, der das Leben in Person ist, der mein Leben ist – das ist unser Glauben, unser christlicher Osterglaube, der Mut macht und Hoffnung schenkt, weil wir durch und mit Christus alles überwinden und wieder leben werden.

 

 

Eine schöne Zusammenfassung hierfür ist das Lied Nr. 456 aus dem Gotteslob:

Herr, du bist mein Leben, Herr, Du bist mein Weg.

Du bist meine Wahrheit, die mich leben lässt.

Du rufst mich beim Namen, sprichst zu mir Dein Wort,

und ich gehe Deinen Weg, so lange Du es willst.

Mit Dir hab ich keine Angst, gib Du mir die Hand

und ich bitte, bleib doch bei mir.

 

Jesus unser Bruder, Du bist unser Herr.

Ewig wie der Vater, doch auch Mensch wie wir.

Dein Weg führte durch den Tod in ein neues Leben.

Mit dem Vater und den Deinen bist Du nun vereint.

Einmal kommst Du wieder, das sagt uns Dein Wort,

um uns allen Dein Reich zu geben.

 

Du bist meine Freiheit, Du bist meine Kraft.

Du schenkst mir den Frieden, Du schenkst mir den Mut.

Nichts in diesem Leben trennt mich mehr von Dir,

denn ich weiß, dass Deine Hand mich immer führen wird.

Du nimmst alle Schuld von mir und verwirfst mich nie,

lässt mich immer ganz neu beginnen.

 

Vater unsres Lebens, wir vertrauen Dir.

Jesus, unser Retter, glauben wolln wir Dir.

Du Geist der Liebe, atme Du in uns.

Schenke Du die Einheit, die wir suchen in der Welt.

Und auf vielen Wegen führe uns ans Ziel,

mache uns zu Boten der Liebe,

 

Ihnen/Euch allen eine gesegnete Osternacht!

 

Der Seelsorgebereich Hof stellt die gemeinsame Osternachtsfeier ab ca. 22.00 Uhr als Filmdatei online.

Sie ist dann unter http://www.katholische-kirche-hof.de/ abrufbar.

Dieter G. Jung

Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau

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