Zum Nachdenken

Liebe Christinnen und Christen im Hofer Land,

liebe Freunde und Bekannte,

 

es grünt und blüht in unseren Gärten und in der Natur.

Das alles hat "ganz klein" eingefangen und der "ganz Große" steckt dahinter, Gott, und damit Hoffnung auf Leben.

Ein bekanntes Lied singt davon; hier der LINK

 Grundlage für dieses Lied war wohl das Evangelium des 11. Sonntags im Jahreskreis im Lesejahr B: Mk 4,26-34

 

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:

Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;

dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag,

der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie.

Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.

Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.

Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?

Es gleicht einem Senfkorn.

Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät.

Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige,

sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.

Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten.

Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

Dazu der Sonntags- und Wochenimpuls zum Nachdenken.

Ihnen/Euch Achtsamkeit beim "Wählen des Ackerfeldes, beim Säen, Gießen und Wachsen- und Reifen-Sehen"...

... und des Staunens über das "wie von selbst Wachsen"...

... und die Ahnung, dass Gott dahintersteckt.

 

An Gottes Segen ist alles gelegen - Ihnen/Euch eine gute Woche!

 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Dieter G. Jung

Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau

PREDIGT 11. Sonntag i. JK; LJ B

Ez 17,22-24 + Mk 4,26-34 (Handmikro)

 

Samenkorn (hochhalten, anschauen…

… wenn ich dieses, mein Samenkorn so anschaue freue ich mich. Ich sehe es vor meinem inneren Auge schon keimen; ich sehe wie der Halm dem Licht entgegenwächst; ich sehe die Ähre voll mit Körnern und ich denke an das leckere Brot, das aus dem Mehl der Körner gebacken wird. 

… jetzt muss ich nur noch einen geeigneten Ort zur Aussaat finden – sucht – der Boden hier in der Kirche ist viel zu hart. Auf diesem steinhar-ten Boden kann mein Samenkorn nicht keimen und Wurzeln schlagen, da kann es nicht wachsen und reifen; aus der Traum vom leckeren Brot. 

 

Standortwechsel – Schale mit trockener Erde (hochhalten, anschauen…

Ich besitze ein großes Stück Land: alles fruchtbarer Ackerboden und gute Gartenerde. Was darauf alles wachsen könnte … Gurken, Tomaten und Paprika; Zwiebeln und Kartoffeln; Weizen, Gerste und Mais… 

… jetzt brauche ich nur noch Samenkörner, dann wird mein Feld bald grünen, blühen und reifen; dann kann ich bald Feldfrüchte und leckere Gemüsesorten ernten – sucht, fragt – haben sie Samenkörner dabei? Nein? 

 

Standortwechsel – Krug mit Wasser (hochhalten, anschauen…

Wasser – Wasser ist Leben, Leben für Menschen, Tiere und Pflanzen. Was mit diesem Wasser alles leben und wachsen könnte… jetzt muss ich nur noch etwas finden, das ich begießen und pflegen kann – sucht – in den steinharten Kirchenboden sickert mein Wasser nicht ein; vom Leben abgeschnittene Blumen; sie wachsen durch mein Wasser nicht weiter.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche! 

 

Warum wächst da nichts? Hat das Evangelium vom Reich Gottes bei uns überhaupt noch eine Chance – ist es nicht vergeblich ausgestreut? Warum ist vom wachsenden Reich Gottes so wenig zu spüren bei uns, in unseren Pfarrgemeinden? Fragen der Jünger damals und unsere Fragen heute. Im Evangelium verwendet Jesus als Antwort Gleichnisse aus der Landwirtschaft, um das Wachsen des Reiches Gottes zu verdeutlichen: 

Ein Sämann streut Samen auf sein Feld – nach getaner Arbeit legt er sich Schlafen. Die Saat keimt, sprosst, wächst und bringt Frucht quasi über Nacht – fast automatisch. Der Sämann hat zwar gut zu tun – aber das Wachstum liegt in anderen Händen. Er kann nur zusehen, wie die Saat aufgeht. Doch wenn er ständig nur zusieht, dann übersieht er dabei seine andere Arbeit – und das Getreide kann er doch nicht wachsen se-hen: es wächst ja nicht wie eine Bambuspflanze bis zu 40 cm in einer Nacht. Das Schlimmste aber, was ein Sämann haben kann, ist Ungeduld: wenn er sofort den Erfolg der Arbeit sehen will. Und er wäre ein Narr, wenn er in seiner Ungeduld an der Pflanze ziehen würde, damit sie schneller wachsen würde, denn dabei risse er nur die Wurzeln aus und die Ähre ab – seine ganze Arbeit wäre umsonst. Das Wachstum der Saat kann der Landwirt nur bedingt durch Düngegaben beschleunigen. Dann muss er abwarten, bis die Zeit und das Korn reif sind. Es braucht Geduld, Gelassenheit und Gottvertrauen, dass aus dem klitzekleinen Samenkorn, eine große, fruchtbare Pflanze wachsen kann. 

 

Ähnlich ist es sich mit dem Reich Gottes in unseren Pfarrgemeinden und im Seelsorgebereich Hofer Land. Wir brauchen Geduld und Achtsamkeit, damit aus den ausgestreuten Samenkörnern Neues wachsen kann; damit aus den zarten Pflänzchen Bäume werden. Wir erleben oft nur Gezerre: Wir, die Stadt, brauchen mehr – wir sind das Zentrum! Ja, wenn die das haben, dann wir auch! Abgeben, wo kämen wir denn da hin? Wir nicht! Sollen doch die anderen! Dass bei diesem Hin- und Her-Gezerre viel kaputt gehen, ja ganze Pflanzen abreisen können, sehen viele erst, wenn es zu spät ist. Das heutige Evangelium mahnt uns daher zu Achtsamkeit und Sorge, damit optimale Wachstumsbedingungen möglich sind und bleiben – das ist Seelsorge. Eine Sorge, die nicht nur uns Hauptamtlichen anvertraut ist, sondern eine Sorge, die uns alle angeht, damit aus den Samenkörnern in unseren Pfarreien wirklich etwas nachwächst: Glaubensnachwuchs. Das bedingt die Aussaat und die Feldarbeit auf der Fläche des gesamten Seelsorgebereichs, nicht nur auf dem eigenen Pfarracker. Da darf kein Neid aufkommen, wenn andernorts etwas besser wächst, sondern Freude, dass es wächst – daran müssen wir arbeiten und deshalb müssen wir zusammenarbeiten: Same, Erde, Wasser müssen wir zusammenbringen, auch von verschiedenen Orten unseres Seelsorgebereichs. Nur wenn wir als Sämänner und Gärtnerinnen dafür sorgen, kann durch uns Neues aufgehen; nur so können wir als Seelsorgebereich weiter zusammenwachsen und zusammen wachsen; und nur so besteht die Möglichkeit auf eine Ernte. Wenn wir so handeln, dann sind wir nicht „an einem toten Punkt“ – auch wenn weniger wächst als in an-deren Jahrzehnten, auch wenn manches vielleicht auch gar nicht aufgeht oder verdorrt. Mit Gottvertrauen wird das Reich Gottes bei uns wachsen – es fängt ganz klein an. Das Wachstum liegt nicht in unserer Hand, wohl aber die Samenkörner, die zu bearbeitende Erde und das Gießwasser. 

 

Samen in die Erde stecken und mit Wasser begießen 

AMEN