Päckchen

Liebe Christinnen und Christen im SSB Hofer Land und darüber hinaus,

liebe Freunde und Bekannte,

liebe E-Gemeinde,

 

es waren ereignisreiche Adventswochen…

… nicht nur, dass wir einen neuen Erzbischof haben – lange erwartet, aber dann ging es doch unerwartet schnell;

… vieles ist „schneller“ in diesen Wochen und „voller“, obwohl es doch „langsamer“ und „besinnlicher“ sein sollte…

… ich habe meine „Adventsmomente“ gefunden:

  • einen wunderschönen Taufgottesdienst
  • ein Jugendgottesdienst zum Thema Frieden
  • ein zu Herzen gehende Trauergespräch
  • Stille und Gebet – und ein kontemplativer Abend
  • Zeit für einen Spaziergang und eine gute Tasse Tee
  • Licht und Wärme der Sonne
  • ein farbintensives Abendrot / -leuchten
  • Lesen meines „Adventskalenders“
  • uvm. ...

 

Ich hoffe auch sie hatten Ihre „Adventsmomente“ für sich und mit anderen.

 

So habe ich passend für die Woche vor Weihnachten auch für Sie ein „Päckchen“ gepackt:

drei Adventsimpulse (vgl. PDF) sind drin und auch die zugehörigen Lied-LINKs:

 

Ihnen eine schöne, hoffentlich nicht allzu volle und stressige dritte Adventswoche mit Adventsmomenten, die hinführen zu Jesus Christus, zum Licht, das von der Krippe uns schon entgegenstrahlt und uns den Weg zur wahren Weihnacht leuchtet. 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Dieter G. Jung

Stellvertreter des Leitenden Pfarrers

Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land

zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau

Predigt           1. Adventssonntag LJ B

Jes 63,16b-17.19b; 64,3-7 + Mk 13,24-37 (LF)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!

Advent – viele denken an den Besuch eines Adventsmarkts, an einen wärmenden Glühwein, ans Plätzchen backen und auch schon mal eines naschen, daheim am Ofen sitzen und die wohlige Wärme genießen, oder in die Flamme der Kerzen am Adventskranz schauen, mit Nachbarn das Hausgebet beten – Advent, eine gemütlich-behagliche Zeit, heile Welt.

Ganz anders die biblischen Texte zum ersten Advent: Weltuntergang, Zusammenbruch, Dunkelheit, gefühlte Gottferne – unheilvolle und düstere Bilder, die für viele Menschen heute bittere Realität sind: in den Kriegsgebieten, auf der Flucht, angesichts einer unheilbaren Krankheit, beim Tod des Ehepartners oder beim Scheitern einer Beziehung – Bilder meines Lebens, Bilder meines Lebensumfeldes, Bilder einer unheil(voll)en Welt einer Welt, wie ich sie mir nicht wünsche, aber einer Welt wie sie ist.

Die Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 63,16b-17.19b; 64,3-7) ist eine Anklage an Gott – die Anklage, warum Gott diese unheile Welt zulässt – ein Hilfeschrei in der erlebten Gottferne: „Du, Herr, bist unser Vater, Unser Erlöser von jeher ist dein Name. Warum lässt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, sodass wir dich nicht mehr fürchten? […] Niemand ruft deinen Namen an, keiner rafft sich dazu auf, festzuhalten an dir. Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen und hast uns zergehen lassen in der Gewalt unserer Schuld“ (Jes 63,16b-17; 64,6). Traurige Bilanz einer tief zerrütteten Gottesbeziehung. Sicher ist Einiges in die Brüche gegangen, aber die Klage vor Gott und die Anklage Gottes zeigen, dass noch ein letzter Funke Hoffnung da ist, eine Sehnsucht nach Gott. Die Person, die diese Anklage ausspricht, ringt um ihre Gottesbeziehung; ihre bisherigen Vorstellungen von Gott sind zerbrochen, erschüttert, oder zumindest fragwürdig geworden: Macht das Festhalten an Gott noch Sinn, oder soll ich es doch lieber gleich sein lassen wie viele meiner Zeitgenossen?

Die Klage ist die Forderung angesichts des ausbleibenden Eingreifens Gottes: „Hättest du doch den Himmel zerrissen und wärest herabgestiegen“ (Jes 63,19b) – alte, bedeutungsschwere Worte, die oft auch die meinen sind: Ich sehe keine Perspektive, keine Zukunft, sehe nur dunkle Wolken in meinen Gedanken und angesichts der Krisen und Kriege in der Welt. „Wann, wann reißt der Himmel auf? Wann gibt es einen Lichtblick? Wann?

Das heutige Evangelium antwortet auf diese anklagende Frage: Am Ende der Zeit, wenn Jesus Christus wiederkommt und alles vollenden wird. Das bringt doch nichts! Da kannst du lange warten, bis Christus wiederkommt, wenden viele Leute heutzutage ein. Mit der Ablehnung Gottes und damit auch der Vollendung der Welt lehnen sie gleichzeitig den Beginn des neuen Himmels und der neuen Erde ab, einer heilvollen Ewigkeit, die nur Gott möglich macht. Andere sagen: Alle Jahre wieder wie in einer Endlosschleife Advent, Ankunft Jesu Christi feiern. Warum, wenn Er doch schon da ist? Ja, Er ist schon angekommen (… aber noch nicht wiedergekommen…), aber ich bin jedes Jahr ein(e) andere(r)! Er, Jesus Christus, kommt hinein in mein Hier und Jetzt in mein aktuelles Leben – und das ist eben anders als vor einem Jahr. Dort in meinem Leben, soll der Himmel aufgehen! Gottes Ewigkeit und das Licht Christi strahlen hinein in meine Lebenszeit. Ich habe es vorhin (umrahmt vom Halleluja) hineingesungen in die Dunkelheit der anklagenden Lesung: „Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten, lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht. Christus, dein Licht erstrahlt auf der Erde und du sagst uns: Auch ihr seid das Licht“ (Gotteslob Bamberg 815).

Das Licht Christi erhellt die dunkle Nacht – nicht nur an Weihnachten – das war der Anfang. Christi Licht leuchtet in der Welt; es leuchtet mir entgegen: ein Hoffnungslicht. Ich darf mich öffnen und dieses Hoffnungslicht in mich aufnehmen – mich erfüllen lassen von diesem göttlichen Licht. Die erste Kerze am Adventskranz ist der Anfang dieser Lichtspur zu Jesus Christus hin – ein Licht, das mein Leben hell macht und das mir niemand nehmen kann: „Alle Dunkelheit der Welt kann das Licht einer einzigen Kerze nicht auslöschen“ (Franz von Assisi). In mir soll es im Advent licht werden. Jesus Christus soll mir einleuchten und zum Licht für mich werden. So kann ich selber zum Licht werden, zu einem Menschen mit Ausstrahlung, der das Licht Christi, seine Güte und Menschenfreundlichkeit ausstrahlt. Dann geht der Himmel auf – für dich und mich.   Amen.

Predigt                  2. Adventssonntag LJ B

Jes 40,1-5.9-11 + Mk 1,1-8

Orgel spielt einige Takte von Tochter Zion ein

Liebe Schwestern und Brüder!

Tochter Zion, freue dich! – hörbare Freude schwingt bei diesem Adventslied mit. Eine wahrhaft königliche Musik, die Georg Friedrich Händel 1747 für eines seiner Oratorien komponierte und wenige Jahre später nochmals überarbeitete: See the conqu’ring hero comes – heißt es im englischen Original – Seht, der rettende Held kommt. Dieses Lied vom rettenden Helden wurde dann vom Volk bald auf eine reale Gestalt der englischen Geschichte übertragen, den Duke of Cumberland. Er und seine vernichtende Schlacht über die schottischen Freiheitskämpfer werden gefeiert und damit die Einheit Großbritanniens. Bis heute ist dieses Lied deshalb einerseits einer der englischen patriotischen Nationalgesänge – und andererseits ein Stachel im Fleisch Schottlands, in seinem Streben nach Unabhängigkeit – ein Volkslied mit Gewaltpotential.

Orgel spielt einige Takte von Tochter Zion ein

Ganz andere inhaltliche Töne schlägt das Adventslied Tochter Zion an: es wird auch eine kommende Rettergestalt, ein hero, ein Held, ein König, besungen – aber ein Friedefürst; einer, der nicht mit Gewalt dreinschlägt. Ein milder, ein friedfertiger König ist es, der da kommen soll; ein König, der so ganz anders ist, wie die anderen weltlichen Könige – deshalb wurde das Lied Tochter Zion um 1820 auch ursprünglich unter der Überschrift „Am Palmsonntage“ veröffentlicht. Das macht ja auch Sinn: Jesus, der nicht hoch zu Ross kommt, sondern auf einem einfachen Esel, dem Reittier armer Leute; Jesus, der keine goldene Königskrone trägt, aber bald nach seinem Einzug in Jerusalem mit Dornen gekrönt wird, als die Jubelrufe „Hosianna Davids Sohn“ ins „Kreuzige ihn“ umschlugen.

Orgel spielt einige Takte von Tochter Zion ein

Der Friedefürst, der da kommen soll und voll Freude und Jubel erwartet wird, er findet sich wieder in der Lesung aus dem Propheten Jesaja, die an Weihnachten gelesen wird: „Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt. Man rief seinen Namen aus: […] Fürst des Friedens. Die große Herrschaft und der Frieden sind ohne Ende“ (Jes 9,5f). Ein großer Bogen zurück zur Geburt Jesu Christi im Stall. In der Bibel geht es um den Retter, der Frieden und Freiheit bringt für die Menschen – Hoffnung auf ein besseres Leben, ohne Unterdrückung, ohne Gewalt und ohne Krieg – das ist die Grundbotschaft der heutigen Lesung ebenfalls auf dem Buch Jesaja: „Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude! […] Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht! Sag den Städten in Juda: Siehe, Gott, der Herr kommt mit Macht, er herrscht mit starkem Arm“ (Jes 40,9f).

Orgel spielt einige Takte von Tochter Zion ein

Dieser starke Arm Gottes ist voller Zärtlichkeit: „Wie ein Hirt weidet er seine Herde, auf seinem Arm sammelt er die Lämmer, an seiner Brust trägt er sie, die Mutterschafe führt er behutsam“ (Jes 40,11). Das ist Grund zur Freude, v. a. wenn ich bedenke, aus welcher Situation diese Freude erwächst: Es war damals eine trostlose Zeit für die Israeliten: fern der Heimat, verschleppt und vertrieben, im Exil; nun soll einer kommen, der nicht in die Enge treibt, sondern heimführt; einer, der Frieden und Freiheit bringt. Wie trostvoll ist diese Zusage, die der Tochter Zion und mit ihr dem ganzen Volk Mut und Hoffnung auf eine bessere Zukunft macht – nicht nur damals, sondern auch heute inmitten des Kriegsgeschehens im Heiligen Land.

Orgel spielt einige Takte von Tochter Zion ein

Wir könnten also getrost die Hände in den Schoß legen und abwarten – auch in misslichen Lebenslagen ist mir ja durch Gottes Wort Rettung und Heil zugesagt – ein Grund zur Freude: Freue dich!

Jesaja und Johannes rufen uns heute noch etwas anderes zu: „In der Wüste bahnt den Weg des Herrn, ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott! – Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!“ (Jes 40,3; Mk 1,3). Damit Gott und die Freude leichter in der Wüste meines Lebens ankommen kann und ich bereit dafür bin, soll ich mich vorbereiten: Meine eingefahrenen und kaputten Straßen zu Gott soll ich ausbessern, ja ausbauen, das kann ein tägliches Gebet mit anderen sein, eine stille Zeit allein mit Gott, oder ich kann die „Straße der Lieder“ benutzen, denn Musik ist ein Weg zu Gott und ein Weg, auf dem zu mir kommen kann.   Amen.

Predigt                  3. Adventssonntag Lesejahr B

1 Thess 5,16-24 + Joh 1,6-8.19-28   (Laterne mit Kerze)

Liebe Schwestern und Brüder!

Ich habe heute etwas dabei. Es ist das Markenzeichen für einen besonderen Beruf, eine bestimmte Aufgabe, eine Rolle im Leben:   Laterne zeigen

Ich habe eine Laterne dabei. Noch ist kein Licht drin. Die Kerze ist noch nicht entzündet, die in diesem geschützten Raum der Laterne ihr Licht verbreiten und die – so geschützt – der ärgste Wind nicht ausblasen kann.

Doch trotz dieser Laterne bleiben die Fragen offen: Wer bist du? Welche Rolle spielst du? Bist du ein Nachtwächter mit seiner Laterne?

Nein, ein Nachtwächter bin ich nicht. Ich bin ein Zeuge für das Licht, ein Lichtbringer und Friedensbote. Heute Abend werde ich in Rehau einen ökum. Gottesdienst mitfeiern, in dem das Friedenslicht verteilt wird. In der Laterne werde ich es sicher in unsere Kirchen bringen. Bereits zum 37. Mal geht das Friedenslicht von Bethlehem um die Welt, verbunden mit dem Wunsch „Friede – shalom – salam!“ Vor wenigen Tagen wurde in Bethlehem, im derzeit so unfriedlichen Heiligen Land, eine Kerze entzündet, dort wo Engel den Hirten einst den Frieden verkündeten. Immer neue Kerzen wurden an der einen Flamme entzündet und das Licht und die Sehnsucht nach Frieden weitergegeben. Tag für Tag bis Weihnachten wird die Erde hell durch dieses geteilte und verteilte Friedenslicht von Bethlehem.

Wer bist du? Diese bohrende Frage zieht sich durch das ganze heutige Evangelium. Wer bist du? Johannes muss sich dieser Befragung unterziehen. „Wer bist du? […] Was [bist du] dann? Bist du …? […] Wer bist du?“ (Joh 1,19.21.22). Viele Juden folgen Johannes dem Täufer, sind seine Anhänger und treuen Fans. Die Priester und Schriftgelehrten wollen es ganz genau wissen, wer dieser Johannes ist, welche Rolle er spielt und ob er ihnen als potentieller Unruhestifter gefährlich werden könnte. Sie wollen zwar ganz genau Bescheid wissen, bleiben in Jerusalem sitzen und schicken ihre V-Männer, die Johannes genauestens ausfragen sollen: „Wer bist du? […] Was [bist du] dann? Bist du …? […] Wer bist du?“ (Joh 1,19.21.22).

Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste“ (Joh 1,23) – ist die Antwort des Täufers. Johannes bleibt bei der Wahrheit. Er stellt sich nicht in einem falschen Licht dar: „Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht“ (Joh 1,7-8). Johannes bleibt sich, seiner Rolle, seinem Beruf, seiner Berufung treu: „Es trat nicht nur ein Mensch auf, von Gott gesandt“ (vgl. Joh 1,6) – sondern, wenn man diesen Satz wortwörtlicher übersetzt, dann – wurde ein Mensch, von Gott gesandt. Durch den in Jesus Christus Mensch gewordenen Gott kann Johannes ganz Mensch werden – ganz der Mensch, der er sein soll: Zeuge des Lichtes, Zeuge des göttlichen Lichtes, Zeuge für Jesus Christus, dem Licht der Welt (vgl. Joh 8,12).

Wer bist du? […] Bist du der und der? […] Bist du die und die? Wie antworte ich auf diese Frage, wenn sie mir gestellt wird?

Ich werde bei dieser Befragung wohl zuerst meine Personalien angeben: Ich bin der Dieter G. Jung, Pfarradministrator im SSB Hofer Land […], oder ich bin die neue Seniorenbeauftragte von Rehau […], oder ich bin eine Ordensschwester oder der Kirchenpfleger von Schwarzenbach/S.

Doch was, wenn sich mein Gegenüber mit dieser Antwort nicht zufrieden gibt, wenn er mehr wissen will. Wenn er wissen will, wer ich wirklich bin – wenn er wissen will, was mich zu dem Menschen macht, der ich bin: Wer bist du? […] Was macht dich zum Menschen, der du bist?

Diese Fragen machen mich nachdenklich: Wer bin ich? Was ist das entscheidende in meinem Mensch- und Christsein? Bei dieser Sinnfrage braucht mir nicht Angst und bange zu werden, wenn ich offen und ehrlich damit und offen und ehrlich mit mir selbst umgehe.

Ich bin nicht der Mensch, den andere oder die Werbung mir einreden, denn dann stehe ich im falschen Licht. Ich darf stattdessen in Gottes Licht stehen und leben. Er, Jesus Christus, macht mein Leben hell. Für dieses Licht darf ich Zeuge sein, durch die Liebe und Aufmerksamkeit, die ich anderen schenke. Ein Zeichen dafür kann das Friedenslicht sein: In der Weihnachtszeit wird eine Laterne mit dem Friedenslicht an der Krippe stehen oder als Friedenskerze am Ambo brennen. Sie können daran Kerzen entzünden und so das Licht weitergeben. Sie können selbst zu Lichtbringern und Friedensbotinnen werden, wenn sie das Licht zu alten und kranken Menschen bringen, oder das Friedenslicht in ihr Haus und ihre Familie holen.   Amen.